Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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erst Vorwehen), der Neuheit Bahn zu brechen. Der Seufzer wird Flügel eines Gebieter-Gedankens, der, weit-hinreißend groß, so nie vorher von Menschenhirnen gedacht - denn der freilich größere, alles erfüllende Gedanke der Jesus-Gemeinde vom Gott-Menschen-Sohn ist ihrem Glauben nicht von Menschen gedacht -, der, sagten wir, Geschichte selb schichtet über sie hoch und aufruft zum Zeugen, daß eben sie Trägerin des übergeschichtlichen Kinds. Fran^ois Victor Hugo (Sohn Victor Hugos) hat in seiner sonst reichlich romanhaften Erklärung der Sonette dem unsern folgende Anmerkung gewidmet: „Wir lenken das Nachdenken des Lesers auf diese unendlich merkwürdigen Verse, in denen der größte mittelalterliehe Dichter die Theorie der vorgängigen Daseine entwickelt und die Stetigkeit des menschlichen Ich durch die Folge der Leib werdungen festzustellen D C scheint. Wie seltsam, hier wiederkehren zu sehen jene Lehre der Meternpsychose, die ausging von dem alten Ägypten und urtümlichen Gallien! Vermerken wir auch die Schlußfolgerung, mit der Shakespeare die indische Idee der Unbeweglichkeit und die biblische Idee des Verfalls von sieh weist und mit der Sicherheit des Genius verkündet das große revolutionäre Prinzip des Fortschritts ohn Ende!" Wie wohl tun solche geist-geöffneten Worte - ihre Prüfung im Einzelnen durchaus vorbehalten - gegenüber dem Blinde-Hennen-Gekratz heut üblicher Biologistik, die im Ausscharren von Zeitumständen, literarischen Vorlagen, persönlichen Anlässen und derlei Schalwerk Genugtuung fühlt und nur dies als Wissenschaft - von einem Dichter! - läßt gelten. O treue deutsche und englische Philologie, der wir viel an sauberer Vorr> o 7 arbeit verdanken, wann rührst auch du wieder den Fittig des Geists? Doch ist der Elan des Franzosen zu llüchtig, zu leicht: ihm ist zuzusetzen die Schwere des Ringens, dadurch aus Shakespeare Fortsehritt sich gebiert. Dieser Fortschritt ist nicht die natürliche Entwicklung, sondern einer, der mißlingen kann, ja es muß: wenn nicht im .Menschen der Glaube der innersten Seele, berufen zu sein zu sie sprengendem Dienstin Selb-Besinnung geschichtlicher Erinnerung sich faßt und machtvoll also sich zusammenfaßt in das ,Vorwärts!4 Andernfalls allerdings die keineswegs natürlicherweis schon unwahren Gedanken Indiens und Israels von Unbewegtheit und Verfall fürchterliche Wirklichkeit gewinnen. Nicht seine, die Menschheit-Geschichte aufruft dies Individuum in sich 271