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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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durch eine Naturgeburt nicht aus der Bahn; die bloße Tatsache - ,das was ist4 daß ein herrlicher Mensch ward geboren - den Mitlebenden ein Wunder beweist nicht, daß ein ebensolcher nicht schon war - und verging; beweist nicht, daß auch er nicht - kein Wunder er! - vergehn wird. Daß der Erfolg der Geistarbeit, die mehr als abermals gebären, die aus Gewesenem das Nie-Gewesene gebären soll und will, nicht Fehlgeburt sein wird. Das Fehltragen (bear amiss) besteht nicht in dem zweimaligen Tragen schon geborenen Kinds, nicht im labouring for invention an sich, sondern in dem Betrug, als ob dies Neu-Austragen dann Aufgabe wäre, wenn Neues es überhaupt nicht gibt. Dann freilich wäre Jnvention' unmöglich. Und ist doch das Höchstziel des menschüchen Geistdrangs. Denn in den Hochmut versteigt Shakespeare sich nicht, daß Kunst schöpferisch sei. Schöpfung ist geschafft übermenschlicherseits (Sonett 1); Mensch kann sie nur finden, ^r-finden6. Aber welche Sinnfülle birgt dies Kennwort Shakespeares! Ist Dichters Schaffen in-vention, so ist es Hereinkommen-in-sich: in die Wesenheit; ein Ü ber-Ein-Kommen: just das Gegenteil des, was Konvention im heutigen gesellschaftlichen Sinn; aber diejenige con-ventio, die Selb-Begegnung des Geists, wenn seinen Inhalt formend er sich selb trifft und begreifend und wertend seine Zu-Kunft erreicht. Das Mühn, das im deutschen ,erfinden4 sich ausdrückt (wofür aber es nicht ausdrückt das Begegnen), setzt labouring besonders hinzu; ist Finden müheloses Geschenk, so müssen vorhergehn die suchenden Mühn: die Wehen der Geburt - sie gerade heißen labour - im Durchkampf der Mutter, daß sie in ihrem Kind sich begegne. Nicht über Geburtarbeit spricht uns der Dichter Gedanken, sondern in dieser Arbeit spricht er sein Kind zur Geburt. In dramatischem Seelen- Fortschritt gibt diese Lyrik zu vernehmen, wie sie in Geburtwehen Fortschritte des Gebärens erringt. Wortwehen drücken Leiblichung aus. Ein langgezogenes Ol preßt sich aus der Qualangst. Nachhallend in dem o von record^ welch Wort deshalb auf der o-Silbe betont. O - wie ist zu vermeiden, daß alles umsonst; daß auch das geschenkte Kind, das überaus schöne Menschenkind, nur altes Einerlei und Vergänglichkeit ist? Ais Antwort: sieh! die Geburt kommt in Gang, die das Neue heraustreibt; aus der Altheit gerade erpressen die Wehen die Kraft (ob auch 270

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