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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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1. Das Einzig-Ewige ist neu, das Einzig-Ewige ist alt; neu dem, der es erlebt, alt dem, der es bedenkt. Wie kann aber Neues sein, wenn, wohl bedacht, es schon alt ist? Dadurch, daß das Denken - in seinem Schoß, dem Gehirn (brains, V. 2) - die Aufgabe der Erinnerung (record, V. 5) faßt als Aufgabe der Eräußerung auch: - in Wiedergeburt: to bear . . . the second bürden of a forrner child (V. 3/4). Mit einem Ruck schleudert Shakespeare den Pessimismus zu Boden. Denn diesem Feinde gilt sein erster Vers; ihn stellt er auf den Plan. In kühner Sprachkürze. But heißt hier: außer daß, nicht bloß: sondern; ein Neues würde es auf jeden Fall geben, das anfänglich noch nicht da sein konnte: die Erkenntnis, daß es nichts Neues gibt (zu dieser Ellipse vgl. Sonett 52,4 for blunting -for fear ofblunting). Der Sinn also : w enn es nichts Neues gäbe, als den modernen Pessimismus, gemäß dem es nichts Neues gibt . . . Und so wie hier den denkerisch hoffnungslosen, beticht Shakespeare im Sonett 121 (im Couplet) den sittlich tatenlosen Pessimismus. Dieser Müdlauf des Gedankens hübe ihn auf. Denken wäre Betrug, arg- P ■ H listiger (beguiled): der den Schoß des Hirns mit Bedacht trächtig machte, um Fehlgeburt zu bringen. Aber nicht der logische Selbw idersprueh - der Daseins-Widerspruch ist's, den Shakespeare aufzeigt. Sein Hirn hat nicht über das Denken zu denken, sondern labouring for invention sich um ein Kind zu bemühn. Das Sohn-Thema der Zeuge-Sonette ertönt! Erhoben in seine dritte Potenz: die Forderung leiblich zu zeugenden Sohns, überholt von der Verheißung fortzuleben im Gedicht, endet in der Selb-Anforderung des Dichters, den Freund selb als Kind zu gebären im Gedicht. Zwar sagt der König in ,Ende gut, Alles gut* (II, 1): that labouring art can never ransom nature (daß Mühn der Kunst nie für Natur kann zahlen); aber eben dies Drama widerlegt seinen Spruch. Mit dem Dichter haben wir diese Geburt zu tun: our brains: durch und mit ihm alle, die den Anblick des Wunders genießen (\ . 10); die ganze jetzige Welt (der alten entgegengesetzt durch V. 9). Ein Kind ist immer neu, in der natürlichen Ordnung. In der geistigen 7 H c5 der Wiedergeburt aber ist das natürliche alt; ein ,vorheriges Kind*. Der stets derselbe Umdreh des Rads der Geschlechtfolgen - V. 12 - springt 269

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