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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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der Winkel im Dreieck gleich zwei rechten ist, der Mensch gehören wird und alles das geschieht, was im Leben vorkommt. . . Und was auch immer die Geschichtsphilosophen sagen mögen. >o ist es den Nachfolgern Spinozas bis auf den heutigen Tag noch nicht gelungen, sich der Gewalt der von ihm verkündeten Ideen zu entwinden. Weder der „Kritizismus64 Kants, noch der ,,Dynamismus*# Hegels, weder die \\ issenschaftslehreFichtes,noch die Versuche Leibniz' und Sendlings, auch nicht einmal die neueste philosophische Kritik war imstande, den von Spinoza gezogenen Zauberkreis zu überschreiten. Es war viel vom Rationalismus Spinozas die Rede, man hat sich viel Mühe gegeben, seiner „Vernunft" unsere „Erfahrung" gegenüberzustellen, aber das alles führte zu nichts und konnte auch zu nichts führen. Denn die Grundthese Spinozas wagte niemand anzutasten. Nach ihm sind alle überzeugt, daß, wenn wir die Wahrheit brauchen, wir uns an jenen „ungerechten" Richter wenden müssen, von demw7ir erfuhren, daß die Summe der Winkel im Dreieck gleich zwei rechten ist. Alle glauben auch daran, daß es einen anderen, „gerechten" Richter nicht gebe und nicht geben könne, und glauben auch daran, daß auch Spinoza selbst alle seine Wahrheiten von dem ungerechten Richter holte und sich sogar dessen Urteilen mit Freude unterw arf. L nterw üriigkeit ist bei uns auf Erden stets als höchste Tugend betrachtet worden, denn nur dann, wenn alle Menschen sich bereit erklären würden, sich eiiirrn Prinzip unterzuordnen, ließe sich, nach unseren Vorstellungen, jene ^Harmonie" verwirklichen, die ebenfalls als die höchste und idealste Errungenschaft betrachtet wird. Kein Philosoph würde zu sagen wagen, was die leichtsinnige Susanna zu dem in sie verliebten Figaro sagte, daß nämlich D r* ihre Laune, die Laune eines lebendigen \\ esens, über den unbeseelteu Normen und Gesetzen stehe. Susanna hat ja doch zuerst den Figaro >ich unterwürfig gemacht und erst dann sich mit ihm gestritten. Die Philosophen hingegen müssen sich an Zuhörer wenden, die ihnen ganz gleichgültig gegenüberstehen und sich unter keinen Umständen unterwerfen werden, wollte man sie nicht durch Gewalt zur Unterwürfigkeit zwingen - ganz ~ p gleich, ob durch physische Gewalt oder durch Dialektik. Und so werden wir zu Zeugen einer erstaunlichen Frscheinung. Die Phio n losophen, das heißt Männer, denen die Wahrheit über alles am Herzen liegt und die par exccllence aufrichtig sein müßten, erweisen sich weniger aufrichtig als ungebildete Frauen. Die Thrazierin lachte, als sie Thaies

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