Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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sich selbst ebenfalls die gleiche Sicherheit und Allgemeingültigkcit beansprucht, so gibt es für sie keinen anderen Ausweg. Sie muß nur das intelligere anstreben und alles, was nicht in den Rahmen des intelligere hineinpaßt, als nicht existierend und illusorisch von sich weisen. Wir wissen aber bereits, was Spinozas intelligere bedeutet. Intelligere bedeutet, sich die Welt vorstellen als eine unendlich große Zahl von Teilen (Leibniz sprach später von Monaden), die sich nach seit Ewigkeit bestehenden Gesetzen bewegen und weder die Möglichkeit noch das Recht haben, auch nur im geringsten die ohne sie und durchaus nicht für sie eingesetzte Ordnung zu ändern. Und Gott unterscheidet sich in dieser Hinsicht nicht im geringsten von den Menschen. Auch seine „Freiheit4* besteht nur in der Unterwerfung unter eine Ordnung, die doch nur wieder der Ausdruck seines Wesens ist. Deus ex solis suae naturae legibus et a nemine coactus agit. Darum wirft Spinoza schon in seinem „Theologisch-politischen Traktat44 die Frage nach dem Sinn und der Bedeutung der Bibel und des biblischen Gottes auf und entscheidet sie ohne jegliches sichtbares Schwanken. In der Bibel, so sagt er, ist keine Wahrheit, und die Bibel ist auch nicht der Ort für die Wahrheit. Die Bibel enthalte nur moralische Belehrungen. Diese könnten wir aus der Bibel annehmen, die Wahrheit aber müßten wir an einem anderen Orte suchen. Die Bibel erhebt auch gar keinen Anspruch auf Wahrheit, und das, was in ihr berichtet wird, sieht auch durchaus nicht nach Wahrheit aus. Gott hat die Welt nicht in sechs Tagen geschaffen. Gott hat den Menschen niemals gesegnet, hat sich Moses auf dem Berge Sinai nicht offenbart, hat die Juden nicht aus Ägypten geführt usw. Das alles sind nur dichterische Bilder, das heißt Erfindung, die ein vernünftiger Mensch in bedingtem und begrenztem Sinne auslegt. Auch gibt es nicht jenen Gott, von dem so viel in der Bibel erzählt wird, und es hat ihn auch niemals gegeben - dies bezeugt wiederum die Vernunft, das heißt jenes Etwas, das mathematische Probleme unwiderruflich löst und die Menschen lehrt, in der Mathematik die Wahrheit von der Lüge zu unterscheiden. Und schließlich - dies war vielleicht für die Zukunft von ganz besonderer Wichtigkeit und Bedeutung - existiert nicht nur nicht jener Gott, von dem die Bibel berichtet, sondern es besteht nicht einmal die Notwendigkeit eines solchen. Für die Menschen ist nicht das wesentlich - so dekretiert wiederum dieselbe keine Gewalt über sich anerkennende Vernunft, dank der wir wissen, daß die Summe der Winkel im 2">