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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Spinoza seine Wahrheiten einkleidet, haben ihren Dienst getan. Sie haben, wie einstmals ein Diener den König der Perser an die Athener erinnerte, Spinoza daran erinnert, daß die Metaphysik keine \\ illkür enthalten dürfe, sondern strenge Wissenschaft sein müsse. Man wird übrigens auch bei Spinoza, wie bei vielen anderen großen Philosophen, keine exakte Antwort auf die Frage finden, was Wissenschaft sei. Sogar Kant hat, als er die Kritik der reinen Vernunft" sehrieb, auf diese Frage keine erschöpfende Antwort gegeben. Was ist Wissenschaft? Das weiß jedermann: Geometrie, Arithmetik, Astronomie, Physik - sogar Geschichte. Aber niemand geht über Beispiele und Gemeinplätze hinaus. Auch eine richtige Definition der Vernunft wird man nirgends finden - selbst nicht bei eben demselben Kant, der die Kritik der reinen Vernunft66 gesehrieben hat. Es wird vorausgesetzt, daß alle wüßten, wras die Vernunft sei, wie man auch wisse, was Wissenschaft sei. Wenn wir aber aus den Werken der Philosophen uns eine Vorstellung davon machen wollten, was Vernunft und was Wissenschaft sei, so läuft alles auf das eine hinaus: Vernunft und Wissenschaft geben uns allgemeingültige Urteile. Und dort, wo wir auf diese oder jene Weise zu allgemeingültigen Urteilen gelangen, haben alle Zweifel, alle Streitigkeiten ein Ende und müssen ein Ende haben: dort haben alle immer gleich gedacht und werden immer gleich denken, und dort liegt folglich die ewige \\ ahrheit. Darum waren die Blicke der Philosophen schon vom Altertum an und bis zur Gegenwart auf die Mathematik gerichtet. lMuto hielt von sich Menschen fern, die keine Kenntnisse in der Geometrie hatten. Kant nannte die Mathematik eine königliche Wissenschaft und sogar Spinoza, der aufrichtige Spinoza, hielt es für seine Pflicht, -ich den An-ehein zu geben, daß jene Wahrheit, nach der er so qualvoll suchte, ihrer Natur nach sich nicht von der mathematischen Wahrheit unterscheide. Als einer seiner Korrespondenten ihn fragte, mit welchem Recht er seine Philosophie für die beste halte, antwortete er ihm, daß er sie durchaus nicht für die beste, sondern für die wahre halte, und zwar aus demselben Grunde, kraft dessen ein jeder der Ansicht sei, daß die Summe der Winkel eines Dreiecks gleich zw ei rechten ist. So antwortete Spinoza seinem erzürnten Korrespondenten, so sprach er aus jedem Anlaß und sogar zuweilen auch ohne jeglichen Anlaß auch in seinen Werken. In der „Ethik44 versprach er von Gott, dem Verstand und

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