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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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gewünschten Resultat führen wird? Wie aber, wenn wir zum entgegengesetzten Resultat gelangen w ürden, wenn der Wunsch, die Überzeugung zu begründen, diese nicht nur nicht festigen, sondern untergraben würde? Wir besitzen ein Wissen, und das Wissen hat uns sehr viel gegeben: man sollte mit dem zufrieden sein, was man besitzt. So wollen wir bei dem bleiben, was wir haben, und den unruhigen Versucher in uns einschläfern. Ein Philosoph darf die gefährliche Erfahrung des Thaies und das aus ihr hervorgegangene Aristotelische Prinzip der avayxr^ otFj)'<ci nicht vergessen. 2. Wir brauchen also keinerlei Metaphysik oder, wenn wir eine Metaphysik zulassen wollten, so doch nur eine solche, die sich darauf versteht, mit der Wissenschaft in gutem Einvernehmen zu leben und sich ihr sogar unterzuordnen. Denn - das können wir schon im voraus wissen -, wenn es zu einem Zusammenstoß zwischen Metaphysik und Wissenschaft kommen sollte, so würde erstere „vom Antlitz der Erde hinweggefegt werden". Die neue Philosophie ist im Bewußtsein dessen emporgewachsen und erstarkt. Nach Descartes und im besonderen nach Spinoza konnte kein einziger unter den anerkannten Philosophen anders sprechen und denken. Spinoza hat uns seine „Ethica ordine geometrico demonstrata" als Erbe hinterlassen. Niemand zweifelt daran, daß das System Spinozas ein metaphysisches ist. Aber viele sind überzeugt, daß Spinoza jener „Kritizismus" noch fremd war, der von Kant geschaffen wurde. In den Lehrbüchern der Philosophie wird dies häufig so dargestellt, daß Spinoza, wenn er nach Kant gelebt, nicht mehr hätte das sagen können, was er sagte. Aber das ist wohl kaum richtig. Offenbar war alles Wesentliche des Kantschen Kritizismus schon voll und ganz in dem more geometrico Spinozas enthalten. Spinoza hat ebenso wie Kant eine „willkürliche" Metaphysik nicht gewollt. Er strebte strenge Wissenschaftlichkeit an, und wenn er seine Gedanken in die Form mathematischer Schlußfolgerungen einkleidete, so tat er es gerade deshalb, weil er, wie nach ihm auch Kant, am allermeisten darum besorgt war, der launischen Mannigfaltigkeit der Meinungen ein für allemal ein Ende zu machen und eine mit der Idee der Notwendigkeit verbundene ständige Einheitlichkeit der Urteile zu schaffen. Die Axiome, Postulate und Theoreme - alle diese für den Leser philosophischer Bücher ungewohnten und scheinbar nutzlosen Hüllen, in die 252

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