Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kant, Aristoteles einerseits und der liederliche Figaro anderseits. Aber ganz abgesehen davon, daß „Empörung" durchaus nicht als Einwand gelten kann, kann ich mich diesmal auf eine Überlieferung, und zwar auf eine klassische, berufen, von der bereits die Rede war. Hat ja doch selbst Plato sich nicht gescheut, uns von dem Zusammenstoß des Thaies mit der Thrazierin zu berichten oder, besser ausgedrückt, davon zu erzählen, wie ein junges, ungebildetes (und scheinbar ebenfalls bezauberndes) Mädchen den Vater der Philosophie öffentlich lächerlich machte. Darüber kann kein Zweifel bestehen: der hochbetagte Thaies wurde von einer jungen Thrazierin lächerlieh gemacht, denn sie, die auf fester Erde stand, brach in ein heiteres Gelächter aus, während er, in seinem Brunnen zappelnd, hilflos schrie. Es kann auch, wie ich bereits sagte, nicht bestritten werden, daß die Kritik der Thrazierin die Philosophen vieles gelehrt hat: >:i'<:yxf, <>tFv>h^ dies Wort entstammt nicht der Seele des Aristoteles, sondern der Seele des in den Brunnen gefallenen Thaies. Der erschreckte Thaies war es, der unter dem lauten Gelächter des schönen Bauernmädchens den festen Entschluß faßte, von nun an nicht mehr aufs Geratewohl hinzugehen, wo Gott ihn hinführen wolle, sondern bevor er weitergeht, sorgfältig vor sich hinzusehen, wo er seinen Fuß hinsetzt. Das ist die Grundlage dessen, was man üblich Erkenntnistheorie nennt. Kant war am allerwenigsten darum besorgt, die Wissenschaft und die reine Vernunft zu rechtfertigen. Er wußte ebensogut w ie Hegel, daß man die Frage der Berechtigung des wissenschaftlichen Wissens nicht aufwerfen dürfe. Er wollte nur die eigenwillige und launische Metaphysik diskreditieren, das heißt zeigen, daß die Methaphysik ihren Bau nicht auf dauerhaftem Granit, wie es die Wissenschaft ist, sondern auf Sand aufführt. Die Erwiderung Hegels aber müssen wir in der Weise auffassen, daß, wenn wir die Uberzeugung von der Unerschütterlichkeit unserer methodologischen Kunstgriffe bei der Auffindung der Wahrheit beibehalten wollen, wir die Frage, woher wir diese Überzeugung haben, besser ganz aus dem Spiel lassen. Wichtig ist, daß wir diese Uberzeugung haben, wie wir aber zu ihr gelangten, das ist eine zweitwichtige Angelegenheit. Ja, weit mehr: nur eine solche Überzeugung ist von Dauer, bezüglich deren DO ' P> niemand sich zu erinnern oder zu erraten vermag, von wo und seit wann er sie hat. Denn wenn wir erst uns zu erinnern und nachzuforschen beginnen, welche Garantie haben wir dann, daß unsere Neugierde uns zu dem