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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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allemal und fehlerfrei jene Zweifel gelöst hat oder lösen wird, die in dem Hegeischen Einwand verborgen liegen. Anders ausgedrückt: wir können wohl schwimmen und werden nicht ertrinken, nur müssen wir uns Rechenschaft darüber geben, welche Schwimmbewegungen wir anwenden, um uns an der Oberfläche zu halten. Woher kamen Kant seine Uberzeugungen? Er schweigt hierüber, als gäbe es da überhaupt nichts zu fragen. Aber es gibt hier wohl etwas zu fragen, und wenn Kant keine Antwort gibt, so müssen wir wohl oder übel an anderer Stelle eine Antwort zu finden suchen. In Beaumarchais' „Figaros Hochzeit" kommt es zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen Susanna und Figaro anläßlich der künftigen Gestaltung ihres Hausstandes. Gleich beim ersten Einwand Figaros bricht Susanna das Gespräch ab und erklärt mit jener Klarheit, die wir stets suchen, aber bei w eitem nicht immer, nicht einmal bei den besten Philosophen, finden, daß sie durchaus nicht beabsichtige, sich mit ihm herumzustreiten und ihm ihr „Rechthaben" zu beweisen. Denn, erklärt sie, wenn sie sich in einen Streit einließe, so würde sie damit schon zugeben, daß sie auch unrecht haben könne. Da haben wir ja, was wir suchten: das richtige, letzte, endgültige „Rechthaben", das keinerlei Zweifel und Fragen mehr zuläßt! Figaro war zum Nachgeben gezwungen, er mußte zugeben, daß er sich Einhalt gebieten müsse vor dem Willen dieses eigensinnigen, aber für ihn unüberwindlich bezaubernden Weibes — drdyxrj gt/J^cm, um sich mit Aristoteles' Worten auszudrücken. Und nun stellt sich plötzlich heraus, daß die oberste Instanz, die endgültig und ein für allemal allem Streit und Widerspruch ein Ende macht, die Laune eines zufälligen, irdischen und vergänglichen, aber heben und geliebten Wesens ist. So also baute der scharfsinnige und kluge Beaumarchais die Erkenntnistheorie seiner Helden auf. Sind wir nun berechtigt, seinen Scharfsinn auch in jenem Falle auszunützen, da nicht von den leichtsinnigen Helden einer französischen Komödie, sondern von den berühmten Führern philosophischer Richtungen die Rede ist? Sind wir zu der Annahme berechtigt, daß auch Kant, Hegel und selbst Aristoteles eine Susanna hatten, die sie nicht bei ihrem richtigen Namen nennen wollten, vor der sie aber ebenso willenlos und begeistert den Rückzug antraten, wie Figaro vor seiner Gehebten? Ich weiß, daß ein solcher Vergleich Empörung hervorrufen wird! Hegel, 250

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