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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 3

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Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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und tatsächlich gemeint hätte, man könne sich mit einer so leichtsinnigen Überlegung über die von Kant aufgestellten Fragen hinwegsetzen. Alles spricht dafür, daß der Gedanke Hegels viel tiefer und ernster war, und gerade deshalb, weil er tief und ernst war, kleidete er ihn in die Form eines Scherzes. Waren ja doch die Fragen Kants im Grunde genommen von einer Art, daß man sie wohl stellen, sie aber durchaus nicht beantworten konnte - weder so, wie Kant sie beantw ortete, noch in irgendeiner anderen Weise. Wer weiß - vielleicht hat auch Kant selbst dies gefühlt und deshalb nur die Hälfte der Frage, die zudem die bei weitem weniger schwierige und wichtige ist, enthüllt, während er das Schwierigste und Wichtigste ebenso verheimlichte, wie auch Hegel in seinem scherzhaften Einwand. Kant, der es unternommen hatte, eine Erkenntnistheorie zu schallen, das heißt die Wissenschaft philosophisch zu begründen, durfte keineswegs \ on der These ausgehen, daß wir Wissenschaften - Mathematik, .Naturwissenschaften usw. - besitzen. Es gibt Wissenschaften - gewiß, aber das genügt noch nicht. Die Aufgabe besteht ja darin, ihre Existenz zu rechtfertigen. Es existiert vieles, was man nicht rechtfertigen kann und auch nicht rechtfertigen darf. Es existieren Diebsspelunken, Spielhäuser, Bordelle - aber die Tatsache ihrer Existenz spricht weder zu ihren Gunsten, noch gegen sie. Auch die Existenz der Wissenschaften und sogar die ihnen stets erwiesene Verehrung schützen sie durchaus nicht vor möglichen Vorw ürfen. Heute sind die Wissenschaften allgemein anerkannt und nutzbringend. Wie aber, wenn dessen, der sich diesen Wissenschaften anvertraut und sich auf sie verläßt, irgendwo schließlich etwas Schlimmeres harrt, als das, was Thaies beschieden war, als er durch sein ,,Fernrohr" den Himmel betrachtete? Müßte dann also ein Philosoph, wenn er ein Lnheil vermeiden will, statt nach Beziehungen zur Wissenschaft zu suchen, diese auf jede Weise abbrechen? Wie soll man eine solche Frage beantworten? Wohin soll man sich mit ihr wenden? Wen soll man fragen? Und gibt es überhaupt ein Wesen, eine Instanz, an die man sich mit einer solchen Frage wenden könnte? Und wenn es eine solche gibt, an welchen Merkmalen sollten wir dann erkennen, daß wir uns an den Richtigen gewendet haben? 7 ö c? Kant hat, wie ich schon sagte, diese Fragen nicht gestellt. Er „war überzeugt44, daß es jemanden gibt, an den man sich wenden kann, daß es entweder in uns oder außer uns eine unfehlbare Instanz gebe, die ein für 219

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