Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 109)
- Language
- German
- Belongs to
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4. Wir haben versucht ganz kurz die verschiedenen Situationen und Schicksale von Lehre und Führung anzudeuten, um zu zeigen, daß jeweils verschiedene Lösungen für ihr Verhältnis am Platze waren. Die Zweischwerterlehre des Mittelalters gilt in dieser Form nicht mehr für das 18. und 19. Jahrhundert. Das Zwischenstadium, in dem Jugendbewegung und Lehre zusammentreffen, steht hinwieder in einem so eigenen Lichte, daß eine umgedeutete Zweischwerterlehre nicht mehr als gültige Losung ausgegeben werden darf. Welches aber wäre die gültige Losung für einen Bund der Alteren? Es ist nicht erlaubt, mehr als andeutungsweise von Dingen zu reden, deren einzige Gewähr der Glaube weniger ist. Der Bund der Älteren tritt als Fortsetzung der Jugendbewegung mit derselben Erstlingshaftigkeit in die Geschichte wie diese. Zu den vorhergehenden Zeiten besteht eine Kluft, die nicht prinzipiell überbrückbar ist. Es gibt für ihn keine direkte Tradition, daher aber keine direkte Lehre. Sein geschichtlicher Platz wrird ihm nicht von einer vorangehenden Generation vererbt, sondern von ihm mit der Souveränität des Anfangs bestimmt. Das bedeutet selbstverständlich nicht die Willkür dieser Generation und auch nicht einen absoluten Anfang, der alles Vorhergegangene fallen läßt. Der Bund der Älteren weiß sich durchaus als Erbe, der Jugendbewegung sowohl wie der vorangegangenen Geschichte. Es gibt zwar von rückwärts aus keine verpflichtende Tradition und keine verpflichtende Lehre für ihn. Aber es gibt um so mehr von ihm aus ein verpflichtendes Lernen, kraft dessen er seine Erbschaft begreifen lernt und den politischen Standort seines Daseins geistig bestimmt. In der gemeinsamen Rede der Gleichaltrigen wächst diese gemeinsame Klarheit, die den gemeinsamen Einsatz gebiert. Das Leben dieser ersten Generation ist noch einmal unendlich wagnishaft, nicht von der Hut einer vorhergehenden betreut. Gelingt es trotzdem, wenn auch nur im Ansatz, Stand und Aufgabe zu bestimmen, so gibt es wieder verpflichtende Lehre: die Weitergabe des Standes und der Aufgabe an die folgende Generation. Und dieses Verhältnis, das sich hier zum ersten Male wieder offenbart, mag in der Zukunft dauern. Dann ist das Ziel geistiger Führung und politischer Lehre erreicht. Die geistige Führung ist das Ergebnis des 243