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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 2 · page 107

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 2
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 107)
Language
German
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hinter allen Worten eigentliche^Realität und überzeugende Kraft aus dem Geist, ihrer Gemeinsamkeit. Das Wissen um einander aus Blick, Gebärde, Andeutung genügte. Der streng gehütete Innenraum aber schützte diese restlose Bloßlegung und Heß die Früchte des „Lebens vor Zeugen44 (der Ausdruck stammt von Basilius, dem Vater der Mönche) reifen: das Wachsen aneinander und ineinander und das Leben am gemäßen Platz. Freilich eine Gefahr lauert von Anfang an hinter der Größe dieses Jugendreiches: die Frage der Zukunft, der Fortsetzung. Das Problem der Fünfundzwanzigjährigen ist tatsächlich bis heute nicht gelöst, kaum in Angriff genommen. So beglückend wurde die neue Wirklichkeit in ihrer jugendlichen Form erlebt, daß diese Form den Schein einer Verpflichtung fürs ganze Leben erhielt. Man scheute instinktiv vor einem neuen Aufbruche in den Jahren zwanzig bis dreißig, ein Aufbruch, der dieses ganze Glück um einer Hoffnung willen preisgegeben hätte. Lnd doch konnte man ebenso instinktiv nicht über die Unzulänglichkeit einer ewigen Jugend wegkommen. Als der Krieg kam, begrüßten die Älteren den befreienden Tod für eine Sache, die nicht ihre war. Die Jüngeren aber verloren um so mehr ihr unmittelbares Pathos, je mehr die Bewegung — besonders nach Kriegsende - sich durchsetzte, Widerstand wie Erstlingshaftigkeit des Wagnisses beendet waren. Einige wenige der aus dem Krieg Zurückkehrenden setzten ihre ganze Kraft ein, um die Bewegung der Jüngeren auch über die unausbleibüche Stichflamme der ersten Nachkriegsjahre hinweg im Gang zu halten. Das Erlöschen der Spontaneität des Ursprungs, die zunächst nach dem Kriege noch einmal einsetzte, konnte freilich nicht endgültig aufgehalten werden. Die Bewegung aber wurde wenigstens in der Form der Tradition gerettet. Daß es heute noch Jugendbewegung gibt, ist das Verdienst dieser wenigen Führer. Das ganze Gebäude des Jugendreiches erhielt damit einen unendlich stärkeren Akzent von der Führerschaft her als in der ersten Generation. Und weil die Fortsetzung in ein Stadium der Reife noch immer fehlte - die verfrühten Redereien über Logos und Eros, Autorität und Freiheit bedeuteten nur einen unzulänglichen Anlauf gegen ein neues Ziel hin und zerspalteten die Gemeinsamkeit des Geistes der Frühe - deshalb kam die ganze von einigen starken Führernaturen zusammengeraffte Bewegung in das Zwielicht des politischen Leerlaufs, den Rosenstock beschreibt. Das Nicht-mehr des ersten Aufbruchs und 241

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