Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
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war auch die intimste Beziehung nur und gerade Kernzelle des Bundes und geschwängert von der Luft des Gerichtes. Und andererseits war auch die sachlichste Anweisung, der trockenste Dienst, nur Geschehen zwischen den benannten und gekannten Menschen, nur zwischen ihnen und nicht „an sich" gültig und wirklich. Sentimentalität und Sachlichkeit ohne Ansehen der Person fielen beide mit dieser Scheidung von privat und öffentlich weg. Das Verflochtensein von Mensch zu Mensch aber, das die Zugehörigen einer Gruppe glied- und kreuzweise verschlang, stufte sich nach ihrer Bedeutung und gipfelte im Führer. Der Führer ist nicht der Allmächtige oder der schlechthin Imponierende. Mussolini als Gruppenführer wäre zwar möglich, aber seine Gruppe wäre vor dem Gericht der Jugendbewegung eine inferiore. Es besteht ein grundlegend anderes Verhältnis: Nur von der Gruppe aus ist der Führer zu verstehen. Er ist derjenige, der die ganze Gruppe, den Willen der Unmündigen, die Kraft seiner Helfer, den Widerstand seiner Gegenspieler in sich zu vereinigen und nach außen gültig zu repräsentieren vermag. Der Führer hat keinen Geist, den er nicht von der Gruppe geliehen hätte. Ohne seine Gruppe ist er nichts und fern von seiner Gruppe gilt er nur im Rate der Führer, in dem wiederum das Geltungsverhältnis der Gruppe und nicht der Wille eines starken Mannes die Gestalt bestimmt. So offenbart sich hier ein neuer Führertyp, der sich von den bisher behandelten scharf abhebt und den man ruhig als den geistigen Führer bezeichnen könnte, wenn nicht alles sich im Rahmen der jugendlichen Altersstufe abgespielt hätte. Aber das Vorbild des geistigen Führers ist hier gegeben. Es ist klar, daß nichts von dem, was an Worten und Ideen in einer Gruppe lebt, kennzeichnend ist für ihre eigentliche Realität (auch nicht die Worte Gruppe und Führer). Die Leistung dieser Jugend war groß genug; man braucht nicht von ihr zu verlangen, daß sie eine neue Sprache und eine andere Ordnung der Dinge zur öffentlichen Geltung gebracht hätte. Das wäre die Zukunftsaufgabe eines Bundes der Dreißigjährigen, die „ Jugendlichen" ging das nichts an. Sie durften, gerade weil sie das menschliche Leben vollmenschlich lebten, zufrieden sein, es jugendlich zu leben. Es ist nicht Sache der Jugend, ihren Geist zur Bewußtheit und zur Aufgabe zu klären. In diesem, aber auch nur in diesem Sinne, war die Jugendbewegung ungeistig. Denn trotzdem gewann ihr Leben 240