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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 2 · page 101

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 2
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 101)
Language
German
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begingen, Menschen von Fleisch und Blut zu sein. Das Schreckensregiment der Tugendmänner von 1794 lehrt es ein für allemal, daß die Herrschaft des abstrakten Geistes nur einen Moment der Selbstvernichtung erfüllen kann, wo die Herrschaft des Blutes immerhin die Dauer der mythischen Zeit erreichte. Nur weil man in Frankreich nur einen Augenblick, und sonstwo überhaupt nicht, den radikalen Mut hatte, das Blut in Strömen fließen zu lassen, konnten die Ideen der französischen Revolution eine so gewaltige Kraft der Propaganda entfesseln. Man kann eben leichter sein Blut vergießen, als leben und sein Blut verleugnen. Solange die Bereitschaft zu diesem geistigen Blutsopfer keine Selbstverständlichkeit geworden ist, dauert das Recht und die Wirkung der zerstörenden Ideen von 1789. Von ihnen Neubau zu erwarten ist dagegen Dummheit oder Wahnsinn. In diesem luftleeren Raum der Geschichte, als alles in Gefahr stand zu stürzen und keine einigenden Losungen mehr von Generation zu Generation weitergegeben wurden, erstand der Typ des Führers, den Rosenstock zeichnet: der einaltrige Führer. Ordnung, Rettung vor dem Chaos um jeden Preis, das war die Angst, die unterirdisch und unbewußt Führer und Gefolgschaft besaß. Damit, daß man ein Menschenalter weiterlebte, schien ein ungeheurer Aufschub gewonnen und eine Stabilität der Notbauten verbürgt, die die Bauenden bis zur Besessenheit blind machte gegen das Problem der Nachfolge. So zieht sich die Reihe dieser einährigen Führer von den präludierenden Absolutisten (diese, besonders Friedrich der Große waren zufällig noch adlig) über Napoleon, Bismarck zu Lenin und Mussolini. Bezeichnenderweise sind es immer die genannten, die Rosenstock zur Demonstration seines Führerbegriffs heranzieht. Die Emporkömmlinge, die nicht mehr Blutserben, und noch nicht geistige Erben sind. Es dürfte gut sein, sich bei dem Worte Führer stets vor Augen zu halten, welche Situation man meint, die mittelalterliche oder die der freibeuterischen homines novi. Letztere sind einaltri» © in einem ganz anderen Sinn als dem der mythischen Zeit. Sie setzen nicht mythische Dauer fort, sondern schaffen etwas ,«ganz Neues*'. Man glaubt deshalb nicht eigentlich an sie, sondern sie imponieren, sie suggerieren der Gefolgschaft die Angst ihrer geschichtlichen Raumlosigkeit weg. Man kann so tun als ob alles in Ordnung wäre. Diesen Führern gegenüber hat der Geist ebensowenig Bedeutung wie

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