Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
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die sich zu ihm gesellen. Mit elf Genossen begibt er sich als Haupt einer neuen Bruderschaft auf jene Fahrt nach Rom, wo das Jawort des Papstes sein Beginnen segnet; das Hohnlachen über den Sonderüng verstummt. ★ * ★ Jetzt wird das Leben des Franziskus selber Werk; es wandelt sich nicht mehr. Das Auszeichnende und Grundlegende an ihm ist, daß für dieses christliche Leben alles Ding, alles Geschehen, alles Gegebene, in welchem Umkreis es auch stehen mag, die gleiche Wirklichkeitsdichte besitzt: nichts in Glauben und Leben ist irgendwie zum Symbol verdünnt; einmal fallen die Sphären der Kirche und der Menschen zusammen, einmal wird - in einer Person - die Doppelwelt eine einzige und ganze. Wie die Pflanze aus Erde und Luft ihre Nahrung gewinnt, genau so wirklich hat dieser Mensch seine Lebenssubstanz aus Volk und Zeit, aus denen er geboren und gebildet ist, und aus dem Glauben seiner Kirche, die seine Welt erschaffen hat und erschafft, gewonnen. Die mystische Substanz der Kirche und die natürliche des Völkerlebens - beides ergreift Franziskus als gleich wir klich, ohne jedes „als ob" und ohne jedes „gleichsam"4; hier zückt kein Gedanke sein „ja aber" gegen die glaubenheischende Lehre, rührt kein menschlicher Zweifel an die erhabene Stätte der Heilsbewahrung und ihre Hüter. Heilig Bestehendes, vollkommen und unberührbar, sind und bleiben die Heilswahrheiten und Heilsmittel der Kirche. Der Mann, der weder im Sinn sakramentalen Tuns noch in dem geistlichen Denkens Priester oder Gottesgelehrter ist, äußert nichts, was von seiner Kirche als frevelhaftes Vorgreifen in die Verheißung und als Übereilen ihres Harrens verurteilt werden müßte, spricht nie vom Reich Gottes so, als müsse es gegen seine eingesetzten Verwalter verwirklicht werden. Und voller Wirklichkeitswert kommt allen Organen der Kirche zu, ob Mensch, ob Ding oder Akt: jeder, auch der schlichteste geweihte Priester, jedes, auch das kleinste und ärmlichste Gotteshaus, alles ist Angehöriger und Zubehör des Reichs, überstrahlt von dem für Franziskus höchsten und ehrwürdigsten aller Sakramente: dem erschaubaren Opfer des Altars, auf dessen weihevolle Ausführung und Annahme er - das ist höchst bedeutungsvoll - als besonders wesentlich immer wieder hinweist. Um dieses Sakraments willen ehrt er alle Priester, denn gerade sie sind es ja, deren Worten und Händen „das dreimal heilige Geheimnis der Wandlung vertraut ist'". Die Achtung vor den Dienern seiner Kirche bleibt aber dabei nicht stehen: „Wenn ich auch die