Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 90)
- Language
- German
- Belongs to
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läßt, ichbetonte Antworten auf Fragen einer Weltlichkeit, deren bunte Ströme in ihn eingegangen sind. Den Gehalt der Zeit hat dieser Mensch nicht als Lehre und geordnete Wissenschaft, sondern wie ihn der Lebensalltag ihm zutrug, empfangen; das Wort seiner heiter-unbekümmerten Seele war es, was er bisher ausrief. Jetzt ergehen aus dem Uberzeitlichen Fragen an ihn, und diese sind Aufgaben. Sie entstammen der fordernden Wahrheit, in deren Gemeinschaft der Christ lebt: Sinn und Gefahr des Heiligen rufen, der Herr seiner Gemeinde befiehlt und verlangt von ihm, gerade von ihm, ein besonderes Tun. Als der, der er ist, antwortet er der Berufimg. Die typische christliche Wandlung im Erlebnis gibt ihm die Richtung; die Kraft, den Weg zu gehen, bricht in ihm auf und setzt sich allmählich, nicht wie bei Paulus mit einemmal und ohne weiteres, durch. Der neue Sendling ersteht auch nicht zürnenden, sondern fröhlichen Gemüts; der Kriegszug, auf dessen erster Etappe das entscheidende Ereignis eintritt, hat eine abenteuerliche lebenslustige Weise und ist kaum erfüllt von „Drohung und Mord66. Paulus hat sofort bekannt: Jesus ist offenbar der Christus, der am Kreuz Gestorbene ist der Messias. Auf dem Weg, den Francesco Bernardone bis zum Apostel Franziscus durchmißt, schmilzt sich das Zeichen des am Kreuze Leidenden in die Weichheit einer kindlich hebenden Seele ein und das Geheimnis des Christus wird wieder in Jesus sichtbar: es bildet sich ein neues christliches Siegel. Francescos Fortschreiten vollzieht sich in keinem Widerstreit der Gedanken; seine drei Stufen, bezeichnet durch dreifaches Lautwerden des Wortes, sind nicht Ideen des Geistes, die begriffen, sondern Antriebe der Seele, Befehle, die wörtlich ausgeführt, Aufgaben, die wirklich erfüllt werden müssen. Der Tagvision von Damaskus entspricht ein nächtlicher Traum in Spoleto: eine Stimme dringt an das Ohr des zu Weckenden. „Warum verfolgst du mich?66 hieß es dort. „Warum verlässest du um des Knechtes willen den Herrn?66 so fragt die Stimme hier. Und der Angeredete fragt nicht: „Herr, wer bist du?66 sondern: „Herr, was soll ich tun?66 Da wird ihm die Antwort: „Kehre in deine Vaterstadt zurück; dort wirst du es erfahren.66 - Francesco hat in Spoleto angefangen, „ein wenig nachzudenken66; daheim nimmt er zunächst sein altes Leben wieder auf, aber irgend etwas in ihm ist seltsam gehemmt. In der Stunde, in der er dann plötzlich, mitten im lustigen Treiben seiner Freunde, starr und stumm auf der 224