Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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empfiehlt Francesco als einen, durch den Gott in der ganzen Welt den Glauben der Kirche wiederherstellen wolle. Innozenz bedenkt sich: ihn schrecken die Spuren der Ketzereien und er erwägt die Schwere solch unbedingten Lebens für eine menschliche Gemeinschaft. Aber wieder einmal scheint „die Zeit erfüllt" - ein gesprochenes Wort und ein erscheinendes Gleichnis bringen die Entscheidung. „Wenn wir die Bitte dieses Armen als etwas zu Schweres zurückweisen, dann müssen wir uns hüten, daß wir nicht gegen das Evangelium verstoßen66 - so spricht einer der beratenden Kirchenfürsten. Die Laterankirche wankt; mit seiner schwachen Schulter stützt sie jener junge Bettler - so sieht es der Papst im Traum. Da erkennt er, gefangengenommen wie alle von der Persönlichkeit dessen, der im Namen des Evangeliums zu ihm gekommen ist, das alte Wort als neue Lebensregel an, erlaubt die Bußpredigt und läßt dem Francesco und den Seinen das Zeichen der Weihe, die Tonsur, erteilen. Die Begegnung zwischen dem Nachfolger Petri und dem neuen Künder des Evangeliums ist eine Wiederkehr des Apostelkonzils: wie damals die „Heiligen in Jerusalem66 sich mit Paulus, dem Apostel für die Unbeschnittenen, für die Völker, einigten, so einigt sich jetzt die Kirche mit ihm, dem sich die Ohren und die Herzen der Völker öffnen werden» Die Geschichte seines Wirkens in der Gemeinde bewährt ein Wort, mit dem der Papst später den Büßer aus Umbrien feierlich bezeichnet: er ist der katholische und ganz und gar apostolische Mensch. Wie ist sein Einzelleben zu solcher Öffentlichkeit gelangt? Die Aufgabe, die er in der christlichen Welt erfüllt, kann ihm der Papst nur bestätigen, aber nicht stellen; von den Zeichen an seinem Weg hat der Werdende sie abgelesen. Dem Erstgeborenen des reichen Tuchhändlers in Assisi hat die fromme Mutter in der Taufe den Namen Giovanni gegeben; der Vater, von einer Geschäftsreise aus Frankreich heimkehrend, mag aber keinen rauhen asketischen „Täufer66, sondern einen, der in Sinn und Lebensweise dem Brauch der Zeit entspricht, reiche Kaufherren schon dem niederen Adel zuzuzählen. Französisch-ritterlicher Art ehrgeizig zugetan, nennt er seinen Sohn „Francesco66 und denkt dabei gewiß eher an den fremdländischen Glanz des Erben, als daran, daß „dieses Knaben Aufgabe durch den eigenartigen und damals ungewöhnlichen Namen der ganzen Welt schneller bekannt werde66. In die Jugend des Francesco, in sein Spielen 222