Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
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wilder Saat, die nicht im geistgeordneten Garten der Kirche gehegt werden kann. Der Kirche erstehen aus der eigenen Welt alte Feinde in neuer Gestalt und gefährden, wie ehedem ihren Aufbau, so jetzt ihren Bestand. Es sind nicht mehr die Heiden, die entbrennen und im Zorn toben; es sind nicht nur Lehrende, die den Glaubenssatz anfechten und dem Urteil der Konzilien unterliegen können; es sind noch nicht die völlig sich lostrennenden Einzelnen, die in ihrer Ich-Freiheit sich aller Bindung entledigen. Die Kirche wird bestritten um der Kirche willen; Menschengemeinschaften suchen HeiUgung außerhalb der Heiligengemeinschaft: das Phantom einer unsichtbaren Kirche reckt sich gegen die in der Zeit sichtbare auf und der christliche Ketzer bedroht die Einheit der christlichen Völkergemeinde. Die Kirche ist dem Machtkampf hingegeben; unheilig ringt sie als Gewalt mit Gewalten um Wohnsitz und Geltung auf dieser Erde. Allzu willig hat sie das heidnische Machterbe des römischen Imperiums mitangetreten. Unheilig erscheinen im Menschlichen viele ihrer Diener; die mystische Wirkung der Ordination verhüllt den Laien nicht die Tatsache, daß Unwürdige die Würde des Amts bekleiden, daß der Lngeist des ö 7 r> Simon Magus sich schachernd im heiligen Hause eingenistet hat. Da tönt in ihren Ohren jenes andere Wort, das Jesus gleich nach den Worten der Berufung zu demselben Petrus gesprochen hat: Weiche von mir - du bist mir ein Ärgernis; du denkst nicht, was Gott ansteht, sondern den Menschen! Den Gläubigen ist diese Kirche mit ihrem Wirken und Verwirktsein nicht das reine Bild einer vollkommenen, erlösten Welt; sie kann nicht mit ihren Völkern den Sabbat halten, der aus dem Gesetz alles Tuns aufwächst und die Werktagsreihe von Gottes Einer Schöpfung krönend vollendet. Was die Kirche den Sabbat der Sabbate nennt, bleibt Idee, und sie selber gerät in die malmende Doppelung von „dieser'* und „jener" Welt. Die Paradoxie ihres Daseins - daß sie in Ewigkeit vorbestimmt und der Zeitlichkeit bestimmt ist, daß sie die Heilsmittel besitzt und des Heils harrt, daß sie Gottesstaat ist und irdischer Kirchenstaat sein muß - wird zur Gefahr schlechthin, zur Gefahr ihres unbedingten 7 o Lebens. Von neuem Predigtwesen befeuert, wirkt sich der Glaubenseifer einer Laienfrömmigkeit aus; Bruderschaften bürgerlicher Art, vielfach beruflich gegliedert, treten neben die Mönchsorden. Seit, unterirdisch die 217