Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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gäbe gelöst? Ist nicht der Strudel heutiger Gesellschaft ein brüllendes Nein!? Hat die Erziehung der Kirche irgend etwas genutzt? Sieht es in katholischer Fabrik besser aus als in akatholischer? stehen Arbeiter und Unternehmer hier freundlicher zusammen? treibt katholische Finanz weniger Wucher-Wirtschaft? morden sich katholische Völker weniger untereinander? eingesegnet jedes Mordscharen von seiner Priesterschaft? Ist es nicht töricht, lästerlich sogar, von katholischer Fabrik, katholischer Wirtschaft, katholischem Volk auch nur zu sprechen? oder von christlichem überhaupt! Stehn wir nicht ganz so im Verfall unsrer Welt, wie Antike einst in ihrem? Oder ist das genügender Ab weis solchen Einwands: durchgerettet ist doch der Antike Wert, ihre Humanität, ihres Geists Werke voll ihres Geists Adel, durch die Kirchen-Arbeit der Klöster!-? Aber was ist dieser Wert, wenn er für die Praxis nichts wert, sondern er bleibt Ideal? Ideal gar für immer wenigere! Nein, unsre Antwort muß bußfertiger gehn, muß auch hier eine Kläglichkeit beichten, und darf dann kühner auf Freundschaft bestehn. Noch nicht genug Freundschaft war die der Kirche; an ihrer Schwäche erlahmte sie. Wollte nicht Leibes Freundschaft auch sein. Mußte darum Leibleben der Völkerwelt gar verfehlen. Freundschaft nannte ich den Zusammenschluß der Cönobiten. Aber wie ganz andere, als unsere Shakespearesche Freundschaft, die vor des Freundesleibs Schönheit betet! Dafür freilich Gemeinschaft des Geists nicht in acht nimmt. Ihr Gedicht zwar sendend dem Freund, aber an der Dichtarbeit nimmt er nicht Teil. Umgekehrt die Mönche: am Dienste des Worts, am Gebet, am Ringen ums Bekenntnis, um das Finden des verbindenden Gesetzes, finden sie sich; den Leib nehmen sie nicht in acht. Die Linie der Freundschaft zieht sich von zwei Seiten her; von keiner ist sie zu End ausgezogen; die Züge haben sich in Mitte noch nicht getroffen; das Wort ist noch nicht Fleisch geworden in Menschengemein- ' o c schaft. Das aber ist seine messianische Sende, die wir heut einsehn. Von der pneumatischen aus sehen wir heut die sarkische Linie der Freundschaft, wenn auch geschieden durch eine Kluft, dennoch auf sie zukommend. Wir begreifen die notwendige Schwäche bloß pneumatischer Freundschaft. Sie ist dünner, intellektualer und, soweit sie ins Leibleben vorstößt, empirisch-genügsamer, das Ideal hier nicht suchend. Die andre ist dicker, affektiver und, soweit sie ins Geistleben vorstößt, ebenso ge- 211