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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 2 · page 75

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 2
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 75)
Language
German
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seitigen Trost, seine Ethik aber nicht diesseitigen Halt. Denn die Losung der Liebe versagte bei der Menge, erwies sich unfähig, als die Kirche allgemein ward. Das Abendland sank in Wust von Barbarei, ja das Morgenland, das christliche, auch. Da hat das Mönchtum die Kirche gerettet, und mit ihr die Kultur. Wie das? Erwachsen aus Buße der einsamen Gewissen - protestantischer 5elb- Pflichtsetzung zu vergleichen - fand es Ansatz zu Katholizismus in Klosterfreundschaft. Wagen wir, den Sinn des Mönchtuins so zu deuten! Es ist ja das bekennende Wort, das sie sammelt, diese Rückzöglinge aus der Stadt, d. i. dem Staat, und Einzöglinge in die Wüste, in die Tiefe des Selb. Viel zu sehr haben wir uns in die falsche Meinung gewohnt, ihre Buße als dürren Welt-Wegwurf zu sehn. Die Reinigung von den Lüsten war nicht schmutzige Askese - im Urland des Mönchtums, in Ägypten, nicht, und nicht so im leuchtendsten Vorland, Kleinasien, in der Führung der drei großen Kappadokier; erst im östlichen Syrien finden sich fakirhaft stumme Säulenheilige. Das hellenische, ägyptische, lateinische Mönchtum zieht mit der Bildung, mit dem Buch in die Einsiedelei, trägt in und mit sich den geistigen Kampf um das Gesetz, um das was gilt, ist von vornherein auf Regel zugeschnitten. In diesem Ringen vereinigen sich die Einsiedler zum gemeinsamen Leben: zu Zucht-Genossenschaft Halt-gebenden Worts. Sie sind die Träger des wahren Bekenntnisses, und dem Staatspriestertum vorwerfen sie, das philosophische Bekenntnis zur Gottheit durch Mangel eignen Sünden-Bekenntnisses und -Erkenntnisses entsalzt zu haben zum Spei-Ekel der Welt. Großer Kirchenführer Weisheit - des Athanasius, Basilius, Hieronymus, Ambrosius, Augustinus u. a. - auffing den Vorwurf dahin, daß er nicht Priester- Verwurf ward, und lud das Mönchtum in das Priestertum ein, indem er das Priestertum in Mönchtum verwandelte. Ein vielhundertjähriger Prozeß, als dessen Abschluß man ansehn mag die Durchführung des Priester-Zölibats in der cluniacensischen Reform durch Hildebrand, den Papst Gregor VII., der Mönch in Cluny gewesen. Auch heut ist der katholische Klerus bruderschaftliches Gebild: ein Männerbund ausgeglichener Freundschaft, geeinigt nicht nur durch Kollegialität, sondern vielmehr durch die gleiche Pflanzenschul-Erziehung des doppelten Bekennens und den Geist der Freundlichkeit, der dessen Frucht. Derartigen Klerus wählten sich zu Priestern nach der Völkerwanderung die Massen, die 209

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