Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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so heranzieht, daß der Kampf in der Gnade der Freundschaft mit dem Siegbewußtsein geführt werden darf - gestritten oder aber, wenn keine Entscheidung zu erreichen, einstweilen abgebrochen werden darf daß er niemals Feindschaft, nein, nur immer ringendere Freundschaft erzeugt. Die den Einen in den Andern immer tiefer einzeugt, sein Gesetz und das dessen stets lauterer gebiert und die also geläuterten, vielleicht um so schärfer geschiedenen (denn nichts liegt der Freundschaft ferner, als Kanten zu verwischen) in den Glauben weist, ein Organismus zu sein, vielmehr werden zu wollen, dessen Gesamtgesetz Einheit bei vieler Trennung der Glieder. Ja selb wenn der Kirchengläubige, der Jude z. B. oder der Katholik, sein Gesetz nicht als gliedhaft, sondern ganzhaft muß behaupten, als das Gesetz schlechthin, tut er es in Freundschaft mit dem anders Gesetzlichen z. B. Protestanten nur so, daß er nicht Unterwerfung verlangt, nicht autoritäre Belehrung erteilt, sondern sein Wissen in Güte austeilt. Wobei dann ständig er an sich selb bemerkt, ob, was er austeilt, diese Güte verträgt und in sich selber Freundschaftlichkeit trägt. Andernfalls er es in sich, in eigne Prüfung, zurücknehmen wird. So, was sonst Zank und Krieg hervorrief, Politik und Religion, wird befreundendes Band: zu bereden, zu beschweigen, sich näher zu tun. Wird Aufgabe in dem Freundes-Verein, da im heut üblichen Verein sozialer Zwecke die Satzung grade diese wichtigsten Gebiete der Unterhaltung zu verbieten pflegt: Todeszeichen der Gleichgültigkeit, solch kastrierendes Verbot! Wird Aufgabe, da in heutiger Partei Politik und Religion bloß Voraussetzung ist: Leben-Gemeinschaft verwuchernd, nicht neu-gewinnend. Kein Leben-Gebiet, auf dem Freundschaft nicht Widersprüche bespräche! keins doch, das ihr aufgedrängt werden könnte. Shakespeares Freundschaft behandelt nicht Politik und Religion. Aber immer aufdrängt Freundschaft Zusammenkampf als Aufgabe. Auseinander-Setzung als ineinander. Weswegen das Wort ihre Wesenform ist. Damit sehn wir wieder von neuer Seite in den Unterschied von Liebe und Freundschaft. Liebe ist Vereinigung zu stummer Tat, sei es des Mitleids, sei es der gemeinsamen Lust; als Caritas, als geschlechtliche Liebe. Wenn Freundschaft hier eindringt, so macht sie die Tat zum Gegenstande des Worts - der Verantwortung, die keine nur innere mehr ist, sondern Äußerung, Beicht, zwischen Täter und Betanem; Erhebung der Tat aus Täterei in Gesetz. In Idee im Zusammenhang geistiger Richte. Wie von Kirche und 206