Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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ins innerste Herz. Denn gerichtet wird nicht dies oder das, sondern die innerste Richtung; auch nicht, in protestantischer Trägheit des Glaubens, wird bekannt ein Dasein der Sünde, eine böse, in Sünde gefallene, Natur; nein, evangelischen Werks, wird der Blick und der Schritt vom Dasein aufs Vorankommen gelenkt, auf die Auswirkung der Gnade, daß Freundschaft in uns kam. Ziel-sicher, obgleich Zieles unbewußt, macht Freundes« Beicht an Menschlichkeit wachsen. Damit klassiert sie die Sünden zurecht: sie melden sich zum Bekennen gemäß dem Wachstum zum Menschen. Nicht Sünden gegen Gebote - gegen Menschen drücken hier. Nicht gegen alle oder ferne oder beliebige Menschen, sondern, in wahrer Nächsten-Liebe, die gegen den Nächsten, den Freund. Sicherer Ausgangspunkt der Gewissen-Bereinigung ist gesetzt; um den als Mittelpunkt sich auch ein Weltkreis ziehn mag. \ft ie Gnade, ist Sünde gegen Gnade Besonderung; Gnade richtet Sünde als gerichtet vorab nicht gegen Allgemeinheit, nicht gegen Gott; wie Svstematiker wähnen. Im Ausgangspunkt entfällt damit alle Gesetzlichkeit des Gewissens, autowie hetero-nome: protestantischen selb sich gesetzgeberischen Gewissens, katholischen kirchlicher Setzung absoluter Gebote. Denn in der Ernötigung, aus Freundschaft in Beicht zu richten, sich wie den Freund, ist der Gegenstand, die Schuld, von selb gegeben. Geist, heiliger, richtet hier Idee-Schau ins Wort. Und den Tat-Gegensatz gegen die Idee. Wo aber das unmittelbare Gefühl der Richtlinie aussetzt unter den Freunden, einsetzt ihre Aufgabe, diese Linie zu finden: Gesetz wird anerkannt; was Gesetz sei, gesucht. Lnd doch nicht, wie protestantische Suche der haltlosen Seele, ohne Weg, ohne Fährte; denn jeder mitbringt sein ihm gewohntes Gesetz, das seines Gewissens, seiner Kirche, oder welches sonst; nicht aus Bankerott an Gesetz, sondern in Gesetzes Anerkennung ja suchen die Freunde; versuchen sich untereinander, ringen Gesetz an Gesetz; die objektiven Maßstäbe der Menschheit, ja die subjektiven der Einzelgewissen, werden hier zusammengebracht, ihre Probt* zu bestehn. Nation und Konfession werden je aus Trennung vereinend, die heut je aus Vereinung trennende sind. Die Kirche der Freundschaft hält jeden Freund in seiner Nation, seiner Konfession; in diesem Sinn ist sie nicht über-nationell, über-konfessionell. Aber in dem anderen, nicht entleerenden, sondern durchdringenden: daß aus allen Lagern sie Personen als Kämpfer für deren Grundsätze, ja diese Grundsätze in Person, 205