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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 2 · page 70

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 2
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 70)
Language
German
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Begriff vom Staat ändert Plato gegen einen niedrigeren nach dem Maßstab praktischer Freunde -; immer mehr einschwoll ihnen die Verantwortung, ja nicht zu früh die Türen der Wahrheit zu schließen; nichts von Seele, Staat, Welt aus- und abzuschließen. So wenig absprecherisch, so wenig klar, so dunkel war ihr Wort, so wenig heldisch-starkgeistig, aber eben darum auch nicht schein-klar irr-lichtend; unklar aus Zurückhaltung, nicht aus Vorgreiflichkeit . . . ★ ★ ★ Als die Wunderblüte am Baume der Menschheit aufbrach, die Kirche, und in Metamorphose der Pflanze Wurzel-, Stengel-, Blatt-Formen in die der Liebe umtrieb, anbrach das Gottesreich im Menschenbereich, indem es die Geltung der bisherigen Reiche abbrach. Der bisherigen Menschen- Reiche; das Um-Reich der Natur bezog Gottes Reich noch nicht ein; ergriff es die Vergänglichkeit nicht, schon die Ungerechtigkeit, die die Gerechtigkeit ist. Auf Gerechtigkeit waren die Staaten gebaut, die Menschen-Gemeinschaften obersten Grads; auf Gesetz; und Gesetz besagt Souveränität, Autorität. Im gesunkensten Fall die der Majorität. Das Evangelium der Kirche wirft in Freundschaft das um; Freundschaft proklamiert Gleichheit, Freiheit also, von Untertänigkeit nämlich, nicht von Bindung. Aber auch nicht die Freiheit und Gleichheit des Schwanns, des losen Entzückens, sondern die des Einsehns in alle Arge. Keiner in der Gemeinde, der dank der Gnade nicht selig! keiner, der dank der Gnade sich nicht strafen lassen muß! Um Ungerechtigkeit. Nicht den Gerechten, den Ungerechten kommt das Heiltum der Freundschaft. Beiderseits. Die Gleichheit in Ungerechtigkeit ist die Gerechtigkeit der Freundschaft. Der Freund, der sich straft, nicht genug Freund zu sein, darf den andern Freund um eben dies strafen; von ihm kann der andre, um eben dies gestraft zu werden, sich gefallen lassen. Denn nie wird der Freund ihn weiter strafen, als Freundschaft ihn treibt Strafe entgegenzunehmen. Als sie ihn treibt, sich selb gebeichtet zu bekommen. Hier steht die Buße im Nehmen und Geben .. .Was Freundeszucht zu bekennen hat, mag nach Umfang noch beschränkt sein; wiewohl nichts hindert, daß zwischen Freunden sich beichten Sünden nicht nur wider einander und wider Freundschaft; ebensowohl auch wider Andere, auf jeglichem Gebiet. Aber seien es nur die erstem - der Seelengrund ist gelegt, auf dem Freie sich lassen zur Rechenschaft ziehn; und die Rechenschaft richtet sich 204

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