Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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der großen Wahrheit des universalen Wertes. Der Wert muß gekreuzigt und in das Grab gelegt, das Grab mit einem Stein zugeworfen und versiegelt werden: das Herz wird ihn am dritten Tage auferstanden erschauen. Hier aber schließt sich Ihre Stimme unerwartet der meinigen an, und wir beide prophezeien übereinstimmend in Liebe und gemeinsamer Hoffnung schon nicht mit meinen sondern mit Ihren Worten, daß dem Hunger des Herzens und dem Willen des Geistes Erfüllung werden wird: ..Das Persönliche wird wieder völlig persönlich und dennoch als ein Allgemeines erlebt werden, der Mensch wird in jeder seiner Manifestationen, wie Maria, sein Kind und das Kind Gottes zusammen wissen/4 12. Juli 1920. W. I. 10. An Iwanow Es belustigt mich: Sie behandeln mich, wie der Arzt einen Kranken; meine Krankheit betrübt Sie als Freund, ängstigt Sie sozial und reizt Sie sogar. Auf den ersten Blick haben Sie eine falsche Diagnose gestellt und wundern sich, daß Ihre Mittel nicht wirken. Sie bemühen sich, mit Argumenten der historischen Vernunft mein Gefühl zu zerstreuen, und legen Ihren Mißerfolg meinem Eigensinn zur Last. Aber so aussichtslos es ist, wenn ein Vater seinem Sohne einreden will, daß das von ihm geliebte Mädchen nicht sein Glück sein wird, ebenso nutzlos ist es, einem Durstenden zu wiederholen: ,,Trinken Sie nicht, gedulden Sie sich lieber; Ihr Durst ist kein wirklicher Durst, er wird bald vergehen.44 Ich verzichte ja auch nicht völlig auf alle Erörterungen. Ihren vielen Argumenten setze ich wenigstens eines entgegen, daß sie methodologisch alle umfaßt. Heraklit sprach: dvuo) (/ayaofrcu yaZtjcor* o ti yuQ dv ftthj, tyvyfjQ wrurai1), seinem Beispiele folgend sage ich: die historische Vernunft ist in Ihren Erörterungen über die Kultur naturgemäß zu ihrer Verherrlichung geneigt. Venn Sie es für nötig halten, die Natur meines Durstes zu erforschen, so habe ich nicht weniger das Recht, die Ursache Ihrer Sattheit zu bestimmen. Lnd hier komme ich zu Ihren Bemerkungen über Nietzsche. Sie haben sich wieder geirrt, mein guter Arzt. Ich habe Nietzsche wenig gelesen 1) Mit dem Herzen zu kämpfen ist hart. Denn jeden seiner Wünsche erkauft man um seine Seele. (Diels, Yorsokratiker; Heraklit Fr. 85.);88