Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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Übrigens ist hier nicht die Rede von dem Inhalt der neuen ,,zwölf Tafeln'4, sondern von der Methode des Verhältnisses zu den Werten. Die Methode der Revolution, die uns beide, körperlich ermüdet und erschöpft, in ein öffentliches Erholungsheim hineintrieb, ist vornehmlich eine historische und soziale, sogar eine staatliche Methode, keine utopische und anarchische, d. h. individuelle, eine Methode der Bleibenden und Ansässigen, nicht der Flüchtlinge und Nomaden - soweit wir, wie ich hinzufügen will, in diesem Moment die Probleme des geistigen Aufstiegs, des Wachstums in der Vertikale nicht berühren, in denen das persönliche Prinzip, die einzige und unwiederholbare menschliche Persönlichkeit all ihre Rechte und Pflichten antritt. Aber da haben wir uns wieder ihrem heiligen Kreise genähert. Ich behaupte, daß in der Persönlichkeit - in dem sie beseelenden Geiste-der Berg Nebo und das gelobte Land selbst enthalten sind. Sie setzen die Persönlichkeit dem Werte entgegen, wenn Sie von der Mutter Napoleons sprechen, die ihn in Windeln wickelte, und von derselben Mutter, die entfremdet den Sohn auf dem Throne des ertötenden Ruhmes beobachtete, welcher sich ihr als ein prächtiger und kalter Sarkophag des vergangenen Lebens, der vergangenen Liebe darstellen mußte. Mein Freund, das tiefste Streben des menschlichen Willens ist von jenen Pharaonen gut bezeichnet worden, die ihre hauptsächliche Aufgabe in dem Erbauen eines würdigen Grabmals für sich sahen. Alles Lebendige will nicht nur Selbsterhaltung, sondern auch Selbstentfaltung, obwohl es mit seinem ganzen Wesen weiß, daß letztere Selbsterschöpfung, Selbstzerstörung, Tod - und vielleicht ewiges Gedenken ist. Der Wunsch, Spuren zu hinterlassen, das Leben in ein Denkmal des Wertes zu verwandeln, zu verschwinden und im lebendigen Kultus des uns beseelenden Prinzips erhalten zu werden - das ist der Quell des uralten menschlichen „Aretaismus", wie die Hellenen, die Dorier ihren kategorischen Imperativ der werktätigen Tugend bezeichneten. Die Einweihung der Menschheit in die höchsten Geheimnisse erschloß ihren Blicken auch eine andere gottmenschliche Gestalt desselben Strebens nach dem Tode im Namen des Lebens: Wahrheit, Liebe, Schönheit wollen eucharistisch sein: Esset Mein Fleisch und trinket Mein Blut, Mein Fleisch ist die rechte Speise und Mein Blut ist der rechte Trank." Nicht Bonapartes Mutter vor dem Throne des Sohnes, - Maria vor dem Kreuze: das ist das Svmbol des Herzens vor 187