Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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-weiteren Verbleibens in mir, d. h. meine Persönlichkeit erschaffen. Nicht nur erschuf mich Gott, sondern Er erschafft mich ununterbrochen und wird mich auch ferner erschaffen. Denn Er wünscht natürlich, daß auch ich Ihn in mir künftighin erschaffe, wie ich bisher getan. Ohne freiwilliges Aufnehmen gibt es kein Herabsteigen: in gewissem Sinne sind beide Handlungen gleichwertig, und das Aufnehmende wird der Würde nach dem Herabsteigenden gleich. Nicht kann mich Gott verlassen, wenn ich Ihn nicht verlasse. Das innere in uns aufgezeichnete Gesetz der Liebe (mühelos lesen wir seine unsichtbare Tafel) versichert uns, daß der alttestamentliche Psalmensänger recht hat, wenn er zu Gott spricht: „Denn du wirst meine Seele nicht dem Tode lassen und nicht zugeben, daß dein Heiliger verwese" (Ps. 16, 10). Darüber, lieber Nachbar, sinne ich nach in meinem Winkel, wie Sie es zu wissen wünschten. Und was werden Sie mir aus dem anderen Winkel desselben Quadrates zur Antwort sagen? 17. Juni 1920. W. I. 2. An Iwanow Nein, W. L, ich zweifelte nicht an der persönlichen Unsterblichkeit und fasse, gleich Ihnen, die Persönlichkeit als das Behältnis echter Realität auf. Aber über diese Dinge sollte man, so scheint mir, weder sprechen noch denken. Unser gegenseitiges Verhältnis, teurer Freund, ist nicht nur dem Zimmer, sondern auch dem Geiste nach diagonal. Ich liebe es nicht, mich in Gedanken zu den Höhen der Metaphysik zu erheben, obwohl ich mich an Ihrem leichten Schweben in jenen Höhen freue. Diese transzendenten Spekulationen, die sich nach Gesetzen der logischen Verbindung unabänderlich zu Systemen zusammenfügen, diese Architektur über den Wolken, der sich so viele in unserem Kreise mit Eifer w idmen, erscheinen mir - ich gestehe es - als ein müßiges und aussichtsloses Unterfangen. Überdies drückt mich diese ganze Abstraktheit - und nicht sie allein: alle geistigen Errungenschaften der Menschheit, aller im Laufe der Jahrhunderte gesammelte und befestigte Reichtum an Einsichten, Kenntnissen und Werten sind mir in letzter Zeit lästig, wie ein verdrießliches Joch, wie eine allzu schwere, allzu w arme Kleidung. Dieses Gefühl hat mir schon längst bisweilen die Seele getrübt, aber nicht für lange; jetzt ist es in mir beständig geworden. Mir scheint: welch großes Glück wäre es doch, sich in Lethe zu stürzen, um 160