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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 2 · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 2
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
Belongs to
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M. GERSCHENSON UND W. IWANOW BRIEFWECHSEL ZWISCHEN ZWEI ZIMMERWINKELN (Die folgenden zwölf Briefe wurden im Sommer 1920 geschrieben, als die beiden Freunde - M. Gerschenson und W. Iwanow - zusammen in einem Zimmer im Erholungsheim „Für Arbeiter der Wissenschaft und Literatur41 zu Moskau wohnten.) 1. An Gerschenson Ich weiß, mein teurer Freund und Nachbar vom gegenüberliegenden Winkel unsres gemeinsamen Zimmers, daß Sie vom Zweifel an der persönlichen Unsterblichkeit und an dem persönlichen Gott erfaßt worden sind. Und nicht mir würde, so scheint es, geziemen, Ihnen gegenüber die Rechte der Persönlichkeit auf ihre metaphysische Anerkennung und Erhöhung zu verteidigen. Denn ich fühle in mir selber wahrlich nichts, was auf ein ewiges Leben Anspruch erheben könnte. Nichts, außer dem, was jedenfalls nicht ich ist, außer dem Allgemeinen und Universalen in mir, was, einem lichten Gaste gleich, meine begrenzte und unvermeidlich-zeitliche Existenz in der ganzen Kompliziertheit ihres wunderliehen und zufälligen Bestandes verbindet und mit Sinn erfüllt. Gleichwohl scheint mir, daß dieser Gast mich nicht umsonst besuchte und ,,\\ ohnung in mir nahm44. Mich dünkt, es sei sein Ziel, den Gastfreund mit der meinem Verstände unbegreiflichen Unsterblichkeit zu beschenken. Nicht darum ist meine Persönlichkeit unsterblich, weil sie schon ist, sondern darum, weil sie zum Werden berufen ist. Und wie alles Werden, wie mein Hineiageborensein in diese Welt, erscheint sie mir als direktes Wunder. Ich sehe klar, daß ich in meiner imaginären Persönlichkeit und in ihren mannigfaltigen Manifestationen kein Atom finden kann, welches auch nur dem Keime eines selbständigen wahren (d. h. ewigen) Seins gleichkäme. Ich bin das Samenkorn, das in der Erde starb; aber der Tod des Samenkorns ist die Bedingung seines xVuflebens. Gott wird mich auferwecken, weil Er mit mir ist. Ich weiß Ihn in mir wie einen dunklen gebärenden Schoß, wie jenes ewig Höhere, welches das Beste und Heiligste in mir überwindet, wie das lebendige, wesenhafte Prinzip, das inhaltreicher ist als ich und darum neben meinen anderen Kräften und Merkmalen auch das mir wesentliche Merkmal des persönlichen Bewußtseins enthält. Aus Ihm bin ich hervorgegangen und Er verbleibt in mir. Und wenn Er mich nicht verläßt, so wird Er auch die Formen Seines 159

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