Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2823768-2823781-2823784--0160-2824229- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
mit ihren absoluten, unverrückbaren Grenzen hilflos und beziehungslos nebeneinander wie massive Brocken. Die arbeitsteilige Grenze dagegen ist elastisch und beweglich je nach den Beziehungen zur Umgebung, das heißt zur Wirklichkeit. Diese Grenze ist das der jeweiligen Situation entsprechende Ergebnis der pädagogischen Eigenaufgabe der Schule und der Ansprüche, die durch die Situation an die Schule gestellt werden. Natur und Geist Die Front, die die Grundfrage unserer Zeit bezeichnet, verläuft heute so: Auf der einen Seite stehen die Gnostiker. Ich nenne sie Gnostiker, weil ihre Einstellung zur Welt primär durch die Erkenntnis bestimmt ist; primär, das heißt nicht durch das Streben nach Erkenntnis, sondern durch das Haben der Erkenntnis; nicht einer Erkenntnis, sondern Der Erkenntnis, die Eine ist. Das haben die heutigen Gnostiker, mögen sie unter sich noch so verschieden sein, unter sich und mit der Gnosis des zweiten christlichen Jahrhunderts, der dieser Name entlehnt ist, gemein. Die Gnosis ist, wie ihr Name schon sagt, zuerst kontemplativ, theoretisch, nicht aktiv auf die Welt eingestellt. Sie sucht die Lösung des Weltproblems nicht im Praktischen, sondern sie verschärft das Problem zu einer prinzipiellen Antithese und stellt ein theoretisches Weltbild auf, in dem die Antithese auf irgendeine Weise gelöst wird und das seine Verwandtschaft mit dem gnostischen Weltroman der Spaltung und Wiedervereinigung des guten und bösen Geistes, von Geist und Materie nie ganz verleugnet. Der Kampf der Kirche gegen die Gnosis war daher so überaus schwer, weil die Gnostiker ein Element des Christlichen benutzten und ihre eigene Lehre im Grunde nichts anderes ist als die prinzipielle Vertiefung dieses Elementes zum System. Die eigentümliche gnostische Einstellung liegt darin, daß die Lösung der Weltfrage vorweggenommen wird. Das kann auf die verschiedenste Art und Weise geschehen. Die Skala reicht von der mythologischen, reich und phantastisch ausgebildeten Geheimlehre der Okkultisten bis zum Mechanismus und andern modernen Monismen und geschichtsphilosophischen Systemen. Zu den Gnostikern haben wir daher heute die Mystiker der verschiedenen Richtung, die Freunde des Mittelalters und des Katholizismus, die Neumetaphysiker, Okkultisten, Spiritisten, Anthroposophen, Magiker, die kirchlichen und politischen Reaktionäre zu zählen. Das Vorwegnehmen der Erfüllung, 154