Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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ziellen Einmaligkeit zum Allgemeinen, vom substanziellen Was zum adjektivischen, formalen Wie, vom Denken in Grenzen zum Denken in Übergängen, vom Denken in Substanzen zum Denken in Kräften, vom statischen zum dynamischen Denken, von der Spekulation, die ein geschlossenes Weltbild in starren Linien entwirft und es für die Wirklichkeit nimmt, zum Glauben an die Wirklichkeit, an eine Schöpfung, die geordnet, aber unausschöpfbar ist, die immer nur von der gegebenen Situation aus, aber nie „ganz" faßbar ist. Das mechanische Denken denkt die Welt in Bewegung, nicht in Ruhe; als lebendige, veränderliche, nicht als eine Hierarchie starrer Substanzen. Mechanische Erkenntnis ist Erkenntnis der Gesetze der Bewegungen und Veränderungen der Wirklichkeit, sie sagt aber nichts aus über diese Wirklichkeit als Ganzes und über die Natur der Kräfte, die in ihr walten. Sie hat daher nichts zu tun mit einer mechanistischen Weltanschauung, die die Welt als eine Maschine auffaßt und ihr Geschehen allein auf Druck und Stoß zurückführen will. Die mechanistische Weltanschauung, sei es ein Deismus oder ein Naturalismus oder ein Mechanismus im engeren Sinn, nimmt den Begriffen des mechanischen Denkens wieder ihren adjektivischen Wie-Charakter und verhärtet sie zu isolierten Substanzen. Daraus entsteht dann der prinzipielle Konflikt zwischen Mensch und Maschine, für den es keine andere Lösung mehr gibt, als elaß die Maschine den Menschen oder der Mensch die Maschine vernichtet. Sollte es wirklich keine andere Lösung geben? Liegt der Ursprung des Konflikts in der Maschine oder nicht vielmehr im Menschen, der sich in der Maschine selbst überschätzte und von ihr alles erwartete? Das mechanische Denken, das die Herrschaft des Menschen über die Naturkräfte ins t vorher Ungeahnte erweitert hat, erhebt sich nicht über die Schöpfung, die dem Menschen gegeben ist, daß er sie sich Untertan mache. Erst das mechanistische Denken hat den Naturkräften ihren Schöpfungscharakter <^eic? n nommen und hat sie als seine eigenen Geschöpfe zu Dämonen personifiziert. Im Mechanismus fürchtet der Mensch in Wahrheit sein eigenes Geschöpf, das nur von seinen schöpferischen Ansprüchen lebt. Erst das prinzipielle Denken macht die Aufgabe, die dem Menschen in der Schöpfung gegeben ist, unlösbar, und erst indem sie unlösbar wird, wird sie zum Konflikt. Prinzipielle Konflikte sind immer ein Produkt prinzipiellen Denkens. In der Geschichte gibt es keine zeitlosen Konflikte. Daher haben die 131