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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 2 · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 2
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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ganze aristotelische Weltbild hindurch, und er wird dadurch nur um so schärfer, daß ihm ein Wertgegensatz zugrunde liegt. Der Himmel ist der Ort des Vollkommenen und Unveränderlichen, während auf der Erde das Gegensätzliche, Veränderliche, Unvollkommene zu Hause ist. So vollziehen sich die Bewegungen des Himmels in Kreisbahnen, da nur der Kreis vollkommen ist und nur die kreisförmige Bewegung immerwährende Bewegung sein kann; den irdischen Körpern kommt nur die geradlinige Bewegung zu, den schweren zum Mittelpunkt hin, den leichten vom Mittelpunkt weg. Dabei wäre es nicht richtig zu sagen, daß der Himmel vollkommener ist als die Erde, vielmehr ist der Himmel das Vollkommene, die Erde das Unvollkommene: alle Adjektiva sind hier substanzialisiert. Wir können uns heute nur schwer eine Vorstellung davon machen, welche Kühnheit des Denkens, von den äußeren Widerständen ganz abgesehen, nötig war, um den Dualismus von Himmel und Erde zu überwinden oder um von der substanziellen Vorstellung, daß die schweren Körper zum Weltmittelpunkt, nicht zum Erdmittelpunkt, streben, zum mechanischen Begriff der Gravitation zu gelangen. Tycho Brahe, der 1572 einen neuen Stern in der Cassiopeia entdeckt und nach seinen genauen Beobachtungen berechnet hatte, daß er der bisher für unveränderlich gehaltenen Fixsternsphäre angehörte, wagte trotzdem nicht, an der Göttlichkeit des Himmels zu zweifeln. Galilei richtete - welch ein Wagnis in den Augen der zeitgenössischen Peripatetiker! - sein Fernrohr gegen den Himmel; er überwand den Dualismus der zwei Weltsubstanzen und verteidigte sogar die lebendige Veränderlichkeit des Irdischen gegen das Ideal der starren himmlischen Vollkommenheit; er hatte das dynamische Gesetz des freien Falles gefunden: aber trotzdem konnte er sich von dem Vorurteil, daß die Kreisbewegung vollkommener sei als die geradlinige, nicht befreien und sein GravitationsbegrifF, wenn man überhaupt davon sprechen will, ist noch eingeschränkt auf den Sonderfall der Anziehung, die ein Weltkörper auf die von ihm abgetrennten Teile ausübt. Es ist nicht möglich, der Befreiung des Denkens von den substanziellen aristotelischen Begriffen hier von Schritt zu Schritt zu folgen, sondern es muß genügen, durch den Anfangs- und Endpunkt die Richtung dieses Weges zu bestimmen. Der Weg, den die Geschichte des Gravitationsbegriffes bezeichnet, den Galilei* über die Naturlehre seiner peripatetischen Gegner hinausging, ist der Weg von der substan- 150

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