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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 2 · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 2
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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hier der Gegensatz nicht so scharf, wie ihn der Ausdruck erscheinen läßt. Es handelt sich hier nicht um ein einfaches Jasagen auf der einen und ein Neinsagen auf der andern Seite. Wenn die katholische Lehre die Möglichkeit guter Werke behauptet und sagt, daß ihre Verrichtung die Gnade vermehre, so ist hierbei an die Werke des gerechtfertigten Menschen gedacht; Luther dagegen lehnt die guten Werke ab, insofern sie den Menschen vor Gott rechtfertigen sollen. Da hier und dort von einem ganz verschiedenen Ort aus von den guten Werken die Rede ist, ist etwas Verschiedenes damit gemeint. Der Ansatzpunkt gibt den orten einen verschiedenen Sinn. Da nach katholischer Lehre die Natur durch die Gnade „geheiligt44, über sich selber, über ihre Natürlichkeit hinausgehoben wird (gratia naturam non tollit, sed perficit), während die irkung der Gnade nach protestantischer Auffassung die Sünden Vergebung ist, hat auch die „Rechtfertigung44 hier und dort einen verschiedenen Sinn (sanctificatio und justificatio). Der isolierte Wortsinn ist nur etwas Abstraktes, erst die Einstellung, die ihm zugrunde liegt, gibt ihm seinen besonderen Sinn. So können verschiedene Ausdrücke, durch die Situation an den gleichen Ort des Gedankenraums gerückt, dieselbe Sache bedeuten und umgekehrt. Unser Sprechen ist auch da, wo wir Substantiv a gebrauchen, doch immer nur adjektivisch, es sagt nur das Wie aus, nicht das Was. Ein Wort ist immer nur ein Demonstrativ um, ein Zeigefinger; es bezeichnet Das, w as wir so nennen. Damit soll nicht gesagt sein, daß das Wort nur ein beliebiges Zeichen sei, aber sein Ausdrucksbereich ist nicht das „Das44, das vielmehr unbestimmt bleibt, sondern das „So". Augustinus sagt in seiner Schrift de trinitate: „Tarnen cum quaeritur: quid tres? Magna prorsus inopia humanum laborat eloquium. Dictum est tarnen, tres personae4, non ut illud diceretur, sed ne taceretur. Du fragst: warum drei? Große Unzulänglichkeit liegt im menschlichen Wort. Wir sagen „drei Personen44, nicht um etwas Bestimmtes zu sagen, sondern um nicht schweigen zu müssen.44 So darfauch das, was hier gesagt wird, nicht prinzipiell als eine Lehre, sondern nur adjektivisch, „kritisch44 verstanden werden. Es richtet sich nicht gegen das begriffliche Denken überhaupt, sondern nur gegen das prinzipielle begriff liehe Denken. Begriff liehe Scheidungen sind notwendig und unvermeidlich, ja sie werden nur immer noch feiner und differenzierter werden müssen; auch die Spezialisierung der Wissenschaften,

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