Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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nisses ausgesetzt sind, ist es fast unmöglich, eine bloße Einstellung, die keinen theoretischen Charakter hat, sondern Hintergrund des Theoretischen ist, deutlich zu machen. Die Gefahr ist hier größer, daß zu viel, als daß zu wenig gesagt wird. Die Deutung kann daher fast nur eine Lokalisierung sein; das heißt, es kann nur der Versuch gemacht werden, den Ort der Wendung zu bestimmen. Und auch das ist nur so möglich, daß wir auf einzelne Stellen, an denen die Wendung sichtbar wird und die unter sich in keinem Zusammenhang stehen, hindeuten und an ihnen die Wendung demonstrieren. Schon um nicht zu viel sagen zu müssen, muß der systematische Zwang, die Lücken auszufüllen und die Übergänge herzustellen, vermieden werden. Eine systematische Behandlung würde durch den Zwang zur Totalität allem eine andere Betonung geben und würde damit den Vorbehalt, mit dem das alles gesagt werden muß, von vornherein aufheben. Sie würde, auch unausgesprochen, zu Folgerungen zwingen, sei es zu einer prinzipiellen Forderung, sei es zu einem quietistischen Optimismus, daß alles im besten Gang sei, vor denen man sich nicht ernsthaft genug hüten kann. Man darf sich daher nicht einem Gedankengang überlassen, sondern es ist nötig, ihn immer wieder abzubrechen und an einer andern Stelle von neuem einzusetzen. Der Leser muß immer im Auge behalten, daß auch das, was hier gesagt wird, nicht für sich wichtig ist, sondern daß auch hier nur das eine gesagt, das andere, und das ist das Wichtige, gemeint ist. Begriff und Wirklichkeit Das prinzipielle Denken entspricht erkenntnistheoretischen Anschauungen, in denen eine ganz bestimmte Einstellung zur Welt zum Ausdruck kommt. Der Anspruch der Voraussetzungslosigkeit des Denkens bedeutet den Anspruch seiner Autonomie. Autonomie bedeutet, daß das Denken seine Gesetzmäßigkeit ganz in sich selber trage. Kant zieht eine scharfe Grenze zwischen der Materie und der Form der Erkenntnis. „In der Erscheinung nenne ich das, was der Empfindung korrespondiert, die Materie derselben, dasjenige aber, welches macht, daß das Mannigfaltige der Erscheinung in gewissen Verhältnissen geordnet werden kann, nenne ich die Form der Erscheinung." Was über die Materie zu sagen war, ist von gelegentlichen Bemerkungen abgesehen, schon auf der ersten Seite der Kritik 139