Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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idealistische64, ein Ausdruck, der hier freilich nicht streng begrifflich, sondern in seiner Transparenz zu verstehen ist. Der Jenaer Philosoph Grisebach rechtfertigt d,en Titel seines Buches „Die Grenzen des Erziehers und seine Verantwortung" mit dem Satz: „Die Untersuchungen setzen dort ein, wo die Philosophie als ein konkretes Denken zu einem pädagogischen Problem wird, denn hier wird an die Erkenntnis ein .pädagogischer Anspruch6 gestellt", der sich durch eine reine Geistphilosophie nicht erfüllen läßt. Und weiter: „Die Wirklichkeit und nicht die Wahrheit ist das letzte Ziel der Philosophie." Ohne daß er in einem gedanklichen Zusammenhang damit steht, fügt sich hier ein Satz von Franz Rosenzweig an: „Wahrheit hört auf, zu sein, was wahr ,ist% und wird das, was als wahr - bewährt werden will. Der Begriff der Bewährung der Wahrheit wird zum Grundbegriff dieser neuen Erkenntnistheorie, die an die Stelle der Widerspruchslosigkeits- und Gegenstandstheorien der alten tritt und an Stelle des statischen Objektivitätsbcgritls jener einen dynamischen einführt; die hoffnungslos statischen Wahrheiten, wie die der Mathematik, die von der alten Erkenntnistheorie zum Ausgangs- 7 o r* punkt gemacht wurden, ohne daß sie dann wirklich über diesen Ausgangspunkt hinauskam, sind von hier aus als der - untere - Grenzfall zu begreifen, wie die Ruhe als Grenzfall der Bewegung, während die höheren und höchsten Wahrheiten nur von hier aus als Wahrheiten begriffen werden können, statt zu Fiktionen, Postulaten, Bedürfnissen umgestempelt werden zu müssen." Ferner darf hier, wo nur auf einzelnes hingedeutet werden soll, woran die Wendung sichtbar wird, auf die Relativitätstheorie hingewiesen werden mit ihrer Entdeckung der Zeit, nicht als eines Mediums, innerhalb dessen sich alle Vorgänge abspielen, sondern als eines Elementes in den Vorgängen. Darin kündigt sich eine Revolutionierung unseres Weltbildes an, deren Reichweite heute noch nicht absehbar ist. Wenn die Zeit nicht ein Medium ist, auf das vermöge einer absoluten, von den Dingen unabhängigen Chronologie, die eine abstrakte Zeitreihe ergibt, alle Dinge bezogen und in das sie eingeordnet werden können, sondern wenn die Zeit den Dingen und Vorgängen selber angehört, so wird die evolutionistische Betrachtungsweise des 19. Jahrhunderts abgelöst durch eine biographische. Umgekehrt, wenn alle Vorgänge die Zeit einschließen, wenn es also keinen zeitlosen Vorgang gibt und damit keinen absoluten Ruhepunkt, so gibt es in der Natur wie im 137