Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 134)
- Language
- German
- Belongs to
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legten Möglichkeiten nach dem Wesentlichen, nach Gott hin, etwas schlechthin Unverlierbares darstellt, etwas, was heute noch ebenso wie am Tage seiner Erschafiung nie endender Auswertung harrt zu unausdenkbaren Paradiesen — das bewies der einfache russische Mensch, der ewige Russe für immer. Als sozialer Märtyrer der Menschheit schritt er noch lange nicht die dem Menschen vorbehaltenen Pfade der Qualen zu Ende, die ihm alle ohne jede Ausnahme zu durchschreiten beschieden ist — weil er allein sie richtig auszuschreiten vermag: ohne jeden Verrat an seinem ursprünglichen Menschtum, und damit für alle Menschen zu bleibendem Gewinn. Dessen können wir heute schon sicher sein. Und zweifellos liegt hierin ein unergründlicher, im Weltenplane vorgesehener Segen. Es wird da der Welt durch das ewige Rußland (das das versunkene Rußland überlebte und für das auch das beutige, diese Welt in Atem haltende Rußland nur ein vorübergehendes Rußland bedeutet) ganz klar und deutlich aufgezeigt, weshalb der bisherige Weg falsch war: weil er das geistige Wesen des Menschen außer acht ließ, weil er ohne Gott beschritten wurde, und daß dabei gleichwohl nichts Wesentliches verlorenging, daß alles noch da ist, womit man von neuem aufzubauen vermag — und dann können auch noch die zweitausendjährigen Irrtümer zu warnenden Wegweisern werden. 10 Der russische Mensch hatte gelernt, in einer Lage, wo jede Lebenssicherheit dauernd in Frage gestellt und jede äußere Freiheit zeitlebens verwehrt war, den Lebensanreiz in dem Leben selber zu finden, im Bewußthalten aller unendlichen Möglichkeiten zu menschlicher Verwirklichung, die in ihm liegen. Er war auf Entdeckungen ausgegangen im eigenen Busen und hatte dort Schätze gefunden, die weder Rost noch Motten fressen. Jetzt kann man ihm aber schon mit gar nichts mehr drohen. Das Äußere hat seine Macht verloren über ihn. Denn die Furcht, wodurch es sonst aufgezwungen werden soll, lebt nicht mehr in seiner Seele. Er verlor dabei aber keineswegs seine ursprüngliche Bereitschaft auf den Menschen. Ja, er vermag sich seiner selber immer noch gar nicht inne zu werden in der Vereinzelung, er fühlt sich nur wirklich in der Gemeinschaft. Alle seine Äußerungen sind an sie gerichtet. Die Gemeinschaft aber, in der er zu Hause ist, bildet er überall um sich herum, sie ist 134