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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 135

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 135)
Language
German
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längst noch nicht vorhanden außerhalb seiner, er wartet aber auch gar nicht auf ihr Kommen, er nimmt sie im Geiste voraus; er verhält sich so zu seinesgleichen, als ob sie verwirklicht wäre. Er schafft seine Gemeinschaft da, wo er geht und steht — und er für seine Person hätte auch gar keine andere nötig. Ja, im Grunde seines Herzens ist er auch gar nicht geneigt, die Gemeinschaft, die er meint, irgendwie abzugrenzen unter den Menschen: sie umfaßt den Menschen, weil er Mensch ist, und darum kann sie auch nur alle Menschen umschließen, irgendwelche Ausschließlichkeit würde schon das Wesen dieser Gemeinschaft vernichten, die für den Russen schon deshalb wirklich ist, einerlei ob sie jemals verwirklicht wird oder nicht — weil sie wirklich sein soll. Dieser ganz freien Gemeinschaft, die überall da wird, wo zwei russische Menschen beieinander stehen, eignet aber der entscheidende Vorzug vor allen andern jemals unter Menschen verwirklichten oder von Menschen für Menschen geplanten Gemeinschaften: daß hier der einzelne Mensch in keiner Weise mehr beengt ist in seiner Gemeinschaft, vielmehr überhaupt erst durch sie die Möglichkeit gewinnt, sich der ihm eigenen Weise nach voll zu entfalten und auszuwirken. Denn in dieser Gemeinschaft ist der Mensch für den Menschen der wirkliche Mensch, in der ganzen Fülle seines Wesens, kein Teilmensch mehr wie sonst überall (Staatsbürger, Wirtschafts- oder sonstiger Interessenmensch). Innerhalb dieser Gemeinschaft gilt der Wille für den Menschen als eigentliche und einzige Richtschnur und entscheidet allein die Liebe zum Menschen über das Verhalten zu ihm. Die Beziehung zwischen den Mitgliedern dieser Gemeinschaft ist sonst gegründet in tätiger und geistiger Gleichachtung. Man muß sich vielleicht den Zusammenhang so denken: Ein Mensch, der sich ursprünglich als den Menschen erlebte, und dem mithin die geistige und tätige Gleiehachtung des Mitmenschen ganz von selber Maß und Richtschnur aller persönlichen Auswirkung bedeutet, hegt in sieh das Menschtum in so wesentlicher Fülle, daß demgegenüber alle rein persönlichen Eigenarten und inneren Gegensätzlichkeiten, die sonst zum Zusammenstoß führen müßten, wesenlos werden, ganz eingehüllt bleiben in der Fülle des Menschtums. Ein solcher ausgleichender Mensch stellt für die einwandfreie Gemeinschaft die gegebene Einheit dar: die soziale Monade, die in jeder beliebigen Zusammensetzung eine fertige Gerneinschaft ergibt, und ihr eigentlicher Zweck kann nur in höchster mensch- 135

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