Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
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es offenbar nicht ganz „ernst44 ist mit der Organisation. Das spricht sich schnell herum und wird unter den Kollegen verbreitet. Jeder weiß bald, wieviel man sich bei diesem herausnehmen darf. Das kann dann so weit gehen, daß ein solcher Vorgesetzter fast alle Autorität verliert und von der Organisation deswegen fallen gelassen wird. Trotzdem darf doch auch wieder ein so gearteter Vorgesetzter niemals den Versuch aufgeben, im Untergebenen möglichenfalls den gruppenzugehörigen Menschen zu erkennen und zu fördern, denn sonst verhärtet er sich und verkennt möglicherweise einmal im entscheidenden Fall in dem Gegner den Freund. Vielleicht vergißt er e^, vor ihm im gegebenen Augenblick die Waffen zu senken oder den Blick zu wechseln, der in solchem Fall anzeigt, daß der gegnerische Standpunkt nur noch festgehalten wird, weil die an sich belanglose Tatsache der Organisiert - heit es nicht anders zuläßt. Sehr viel kommt in diesem Fall auf das Feingefühl des Untergebenen an, der ja einen solchen die Maske lüftenden Gegner sein Einverständnis merken lassen muß, ohne doch nach außen hin die Rolle des U ntergebenen aufzugeben. Da ja in Wirklichkeit die meisten gruppenzugehörigen Menschen heute „auch" einer berufsmäßigen, politischen, kirchlichen, fachw issenschaftlichen oder anderen Organisation angehören, wird der richtige „Erkennungsdienst" unter der Maske der mechanischen Organisation in dem Entscheidungskampf zwischen Gruppen- und Organisationszugehörigen geradezu die ausschlaggebende Rolle spielen. Jeder Mensch, der sich innerlich einer Gruppe zugehörig fühlt, oder sich auch nur danach sehnt, darf es nie aufgeben, in der Front der Organisierten dauernd nach Bundesgenossen zu suchen. Das kann dann so weit führen, daß womöglich innerhalb einer alten Organisation eine „heimliche Gruppe" sich bildet, die zunächst unter der Oberfläche ihre Zusammengehörigkeit wahrt und möglicherweise dann bei einer geeigneten Gelegenheit von unten her durch die alte Organisation hindurch ihre gruppenmäßige Gliederung durchsetzt. Eine heute sehr häufig zu Erfolg führende Form der Gruppenbildung. In fast allen Berufen, im politischen und im pädagogischen Bereich, gibt t> heute schon solche heimlichen Gruppen unter der Oberfläche der alten Organisation. 83