Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
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wo er auf das Menschliche im Gegner stößt, muß er einhalten. Gerade also, wenn ein Gruppenzugehöriger „auch" organisiert ist, ergibt sich für ihn ein aufreibender Wechsel in der Benutzung der Kampfmittel. Er darf gewissermaßen die ihm bequem gebotenen Mittel der Organisation niemals so freiweg und unbesehen benutzen. Immer muß er im einzelnen Fall bedachtsam prüfen, wer sein Gegner ist. Augen und Ohren, Sinne und Seele muß er offen haben, um zu erkennen, ob der Gegner eben nur als „Vertreter" seiner „Organisation" ihm gegenübersteht, oder ob und wieweit er versuchen kann, ihm doch vielleicht menschlich, das will sagen als einen werdenden Gruppenzugehörigen zu begegnen. Es könnte ja sein - und das ist gar nicht selten der Fall - daß der Gegner ebenfalls zu den „Auch-Organisierten" gehört. Bei dem kollegialen Verhältnis wird das ja noch verhältnismäßig leicht zu erkennen sein. Es wird in diesem Fall natürlich unter äußerer Wahrung der organisationsgebräuchlichen Methoden zu einem gegenseitigen Verstehen trotz des „gegenseitigen Standpuuktes" oder der „gegenseitigen Auffassung" kommen. Zwar, man kann seinen „Standpunkt" (aus Rücksicht auf die Organisation, der man ja doch auch angehört, nicht aufgeben. Aber man spielt von da an mit dem Gegner wie in einem Theaterstück, wo eben doch beide wissen, daß die Wirklichkeit unterhalb der beiderseitigen Maske Hegt. Schwieriger ist, wenn es sich in solchem Fall um ein Vorgesetztenververhältnis handelt. Auch da kann es ja vorkommen, daß sich zwei Gruppenzugehörige treffen, die beide „auch64 einer Organisation angehören. Auch da wird das organisationsbedingte Vorgesetztenverhältnis zunächst gewahrt bleiben müssen. Sehr schwer wird es dabei zum gegenseitigen Ausdruck zu bringen sein, wie weit man auch hier nur eine beiderseitig durchschaute Rolle weiter spielt. Da ja der Vorgesetzte die führende Rolle zu spielen hat, muß er zuerst hier die Maske des Organisierten etwas lüften. Freilich, er darf das nur dann wagen, wenn dem gruppenwilligen Menschen in dem Untergebenen zu trauen ist. Wer sich als Vorgesetzter einmal vor einem organisierten Gegner eine Blöße gab, in dem er nur irrtümlich einen Gruppenzugehörigen vermutete, dem wird das vo n der ganzen Front der Organisierten nie wieder vergessen. Sie haben ja dann ein für allemal gemerkt, daß der Vorgesetzte auch „anders" sein kann. Sie wissen von da an. daß sie einen Mann vor sich haben, dem 82