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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 81

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 81)
Language
German
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Frau bringen zu müssen, die ja doch auch nur das Opfer der überbetonten einseitigen weiblichen Bindung der Männerwelt ist. Genau wie man sagen kann, daß die Trennung von Lust und Arbeit von einem gewissen Punkte an nicht mehr weiter geht und ein ungeheures Anwachsen der verantwortungslosen Sexualität zur Folge hat. genau so geht auch die Trennung von Arbeit und persönlichen Haßgelüsten nicht weiter. Anders sind die Haßorgien dieser Zeit, wie sie im Privatleben zwischen Mann und Frau stattfinden und die ja seit Strindberg die Zeitbühne stark beschäftigen, unerklärbar. Viele Familien werden heute so vom Haß zerfressen. Der Mann haßt dann die Frau, da er nichts anderes mehr hassen darf. Zu Hause kann er sich noch austoben, da kann er über alle Grenzen gehen. Die Frauen, besonders die alternden Frauen, in den immer mehr zunehmenden unglücklichen Ehen werden geradezu der Abladeplatz für allen Haß. den die Männerwelt in dem vermechanisierten Berufsleben nicht mehr loswerden darf. Es gilt also, von Zeit zu Zeit den Haß zu verdichten, um dadurch streckenweise haßfrei leben zu können und in diesen Zwischenzeiten Ruhe zu finden für Leben und Tun in gruppenmäßigem Zusammenhang. Dieser periodisch verdichtete Haß macht also gerade den Friedfertigen, der eigentlich nur darauf aus ist, sich Ruhe und Lust zu Arbeit und Leben in dem Gruppenzusammenhang zu wahren, zeitweist' zum Angreifer und Empörer wider Willen. Ja, seine Gegner, die die Gesetzmäßigkeit in der Periodik dieses Hasses nicht sehen, werden ihn sehr häutig für einen „ewigen" Störenfried und Gegner von ..Ruhe und Ordnung" hinstellen, obgleich gerade er Ruhe und Ordnung - allerdings in der Gruppe, nicht in der organisierten Masse - als letztes Ziel vor Augen hat. Es ist geradezu das entscheidende Merkmal für die wahre Gruppenzugehörigkeit des Einzelnen, daß seine Feindschaft gegen die Organisierten sich nur in solchem schubweisen Haß äußert. Also weder in dauernde Entrüstung noch auch in der Form der mechanischen Gegenaktion. In eine sehr schwierige Lage gerät der Gruppenzugehörige, falls er eben aus irgendwelchen Gründen ^auch" organisiert ist. und sich seine organisierten Genossen der stumpfsinnigen afle der Entrüstung bedienen und von ihm natürlich das gleiche erwarten. Möglicherweise wird er sich eine Weile zum Schein mitentrüsten. Aber in dem Augenblick, 81

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