Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2823768-2823769-2823771--1065-2824151- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
zugehörigen in der Form der „Entrüstung" unablässig zu hassen - und zwar sehr wahrscheinlich je nach dem Grad der Uberbetontheit ihrer Bindung an das weibliche Geschlecht -, ist der Haß der Gruppenzugehörigen strukturell andersartig. Kurz und stark, aber immer wieder -ehnell zu Ende ist dieser Haß. Er richtet sich ja gegen die einzelne Person nur soweit diese Träger der sich entrüstenden Aktion und Gegenaktion ist. Immer wieder andere Personen als Träger der sich immer und überall gleichbleibenden organisierten Stumpfheit werden also gehaßt. I nd diese fortwährende Verschiebung in der Person der Gehaßten ist geradezu wesentlich für die Struktur des Hasses gegen die Organisierten. Eigentlich nur der Typus der Organisierten wird gehaßt. Die vereinigte Front der Organisierten richtet ja ihrerseits ihren Haß in der Form der Entrüstung auf alles, was sich von der Gleichmäßigkeit ihres Typs besonders deutlich abhebt. So findet man den entrüsteten Haß der geschlossenen Front der Altersorganisationen gegen den einzelnen hochstrebenden Jüngling ebenso wie den Haß der geschlossenen Jugendorganisationen gegen den einzelnen mächtigen und ihnen unbequemen alten Mann. In beiden Fällen ist die übermäßige Betontheit der Bindung an das weibliche Geschlecht die deutliche Ursache der Feindschaft, nachweisbar. Die Altersorganisationen wollen sich in solchem Fall, wie man weiß, ihren „Herrenstandpunkt" nicht nehmen lassen. So ist ihnen jeder hochstrebende junge Mann ein Dorn im Auge, weil er ja doch durch sein ganzes Wesen vor ihnen etwas ..Verbindliches" fordert, das sie nicht für ihn übrighaben, weil sie alle Verbindlichkeit in ihren Beziehungen zum weiblichen Geschlecht verbrauchen wollen. Andererseits die Jugendorganisationen wollen diese einseitige Bindung an das weibliche Geschlecht gerade „in corpore" durchsetzen - sie wollen eben gerade selbst „Herren" werden -; und wenn sie nun auf einen alten Mann von Bedeutung treffen, fühlen sie sich plötzlich nachhaltig und unliebsam daran erinnert, daß es Ziele gibt, deren Erreichung in Frage gestellt wird bei einer allzu einseitigen Fixierung an das weibliche Geschlecht. Der gruppenzugehörige Mensch wird also, wie wir nun klar vor Augen haben, seine Feindschaft gegen die Nichts-als-Organisierten in der Form des schubw eisen Hasses an den Mann bringen müssen, wenn er nicht gezwungen sein will - wie die Organisierten seinen Haß eines Tages an die 80