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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 73

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 73)
Language
German
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Während hinter der Feindschaft aus lustlos-mechanischer Gegenaktion die Gegnerschaft der in ihrem Wesen einseitig männlichen erstarrten Gesellschaft steht, so birgt sich hinter der Feindschaft aus Haß, hinter dieser gesellschaftlichen Entrüstung wohl letzten Endes immer die Frau. Der „normale" Mann erwartet in dein andern Mann, was das Verhältnis zur Frau betrifft, immer zunächst den „Rivalen** zu sehen. Wenn auch gar keine Frau in der Nähe ist, wie z. B. in der Amtsstube, spielt doch zum mindesten die mögliche Rivalität für ihn eine beträchtliche Rolle. Der „normale" Mann will dem anderen irgendwie -eine l nvviderstehlichkeit beweisen, oder doch wenigstens zu beweisen versuchen. Oder aber er will sie von dem anderen bewiesen bekommen, oder doch wenigstens den Versuch sehen, daß der andere sich um diesen Beweis bemüht. Jedenfalls erwartet man, daß der andere sich in diesem Punkt unbedingt mit einem verständigt. Das kann durch einen „männlich abschätzenden** Blick, durch korrekte Haltung, die man im entscheidenden Augenblick einzunehmen hat, geschehen. Aber auch etwa durch die Art, wie man im geeigneten Augenblick das Gespräch unterbricht und den Rauch der Zigarre auspufft. Es ist der alte Herrenstandpunkt, das heißt, das Besitzerv erhältn^ gegenüber „dem Weib66, das hier als Rückbleibsel jahrhundertelanger männlicher Angewohnheiten zum Ausdruck gebracht wird. Man will dabei deutlich gemacht bekommen, ob der andere Mann, der da - nehmen wir also an - in die Amtsstube eingetreten ist, in seiner Männlichkeit einem selbst überlegen ist oder nicht. Das muß deutlich werden. Ist der Mann, mit dem man da zu verhandeln hat, ein ..Kollege**, so ist das zugrunde liegende Rivalitätsverhältnis ja verhältnismäßig einfacher Art. Als Kollege „versteht** man sich eben in diesem bewußten Punkt selbstver-ständ-lich. Man braucht bloß ganz flüchtig durchblicken zu lassen, daß man sich höflich und kollegial aus dem Wege gehen würde, falls man sich etwa - nehmen wir an - am selben Abend zufällig in der Bar oder auf dem betreffenden Vereinsball begegnen würde. Stehen sich Vorgesetzter und Untergebener gegenüber, so kann das Rivalitätsverhältnis, das man sich als Mann gegenseitig zu quittieren hat, dadurch etwas komplizierter werden. Entweder, wenn der Vorgesetzte dem andern auf den ersten Blick auch männlich überleben ist. kann er sich sofort jovial und zuvorkommend ihm gegenüber einstellen.

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