Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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FRITZ KLATT FEINDSCHAFT Die gegenwärtig sich neu bildenden Gruppenkräfte der Gesellschaft sind am Werk, das innermenschliche Leben umzuordnen, und zwar in einem der Gruppe gegenüber verbindlicheren und verpflichtenderem Sinn. Arbeit und Leben soll zusammengebracht werden. Diese umformenden Kräfte stehen damit deutlich gegenüber den alten Organisationsformen der Gesellschaft, die streng geteilt in Beruf, Partei und Kirche auf der einen Seite, in Familie auf der andern Seite, ja gerade in dieser Teilung von Leben und Arbeitswelt ihre Stärke sahen. Was also die bestehende Gesellschaft in der von der Geschichte überlieferten Weise als gegeben vorausgesetzt und sorgfältig getrennt erhalten hat, wird in allen ansatzweisen Versuchen zur neuen Gruppenbildung wieder zusammengemengt und in seiner innermenschlichen \ erbindlichkeit neu geprüft. Es ist nicht zu umgehen, daß diese neuen \ ersuche zur gruppenmäßigen Kristallisation von Beruf und Leben, Politik und Glauben in ein feindliches Verhältnis zu den alten Organisationsformen der isolierten Arbeits-, Partei-, Kirchen- und Familienordnung geraten. Nicht, daß sie die Bindung überhaupt auflösen wollten. Aber sie wollen die Bindekraft von all jenen untereinander getrennten Bereichen umleiten auf eine einheitliche Mitte, nämlich auf die Gruppe hin. Das Arbeitsverhältnis, das politische Verhältnis, jede seelisch-geistige Bindung und schließlich das Verhältnis zwischen Mann und Frau und Nachwuchs soll hier in der Gruppe in eins zusammengehen. So ist Feindschaft zwischen den organisations- und den gruppenzugehörigen Menschen dieser Zeit. Diese Feindschaft ist Totfeindschaft und durch nichts aufzuhalten. Was der Organisierte als Bindung empfindet, wird von dem Gruppenzugehörigen als gering angesehen, und was in der Gruppe als verbindlich angesehen wird, trennt in der Organisation. Diese Feindschaft greift heute schon oftmals trennend ein, wo Menschen vielleicht jahrzehntelang als Berufs-, Partei- und Volksgenossen, als Gläubige einer Kirchengemeinschaft, als Kollegen vom Fach in einer Wissenschaft, als Lebensgefährten in einer Ehe zusammenhielten. Während es umgekehrt sein kann, daß Menschen von ehemals getrennten Berufen, Parteien, ja sogar von ehemals feindlichen Völkern, Gläubige verschiedener Kirchen und Angehörige verschiedener Fakul- 69