Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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Schimpfens. Die-Faust-in-der-Tasche-Ballens. Wir weigern uns innerlich oft aus einer Lust am Einreißen und Zerstören, zu genießen, was wir nutzen könnten: die Nähe eines guten Willens, die Nachbarschaft eines weisen Rates, die Genossenschaft eines kundigen Helfers. Es sind mehr Wege da, als wir beschreiten! Aber auch hier stehts wie mit der Arbeitsgemeinschaft : Viele Wege sind da. Aber ausreichen werden sie nie, auch wenn wir sie noch besser ausbauen, so wenig wie die beste Organisation des Arbeitsmarkts. Auch die Volksgenossenschaft kommt an ihre Grenzen. Manches Unglück ist zu grenzenlos für solche Hilfe. Was waltet dann über uns? Was gibt es noch außer Volkswirtschaft und Volksgenossenschaft? 3. Volksordnung Wo auch die Geister sich fremd bleiben, da hören wir wohl von der harten Schule des Lebens reden. Jeder von uns bekommt sie zu spüren. In ihr reden nicht die Genossen brüderlich mit uns, sondern die harten Tatsachen. Dies ist die dritte Weise, durch die wir ins Leben hinein geordnet werden; neben Volkswirtschaft und Volksgenossenschaft bietet das Volk noch eine Ansicht; wir gehören auch ohne Arbeit und ohne unsern Willen ins Volk, einfach weil wir da sind als einer Mutter Kind, eines Vaters Sohn, einer Frau Mann. Die Volksordnung stellt uns zu bestimmten Menschen gesetzmäßig nahe hinzu. Und dies Gesetz wartet auf uns am treuesten und amzähesten. Wer empfängt Sie denn draußen, wenn nicht eine Frau, die durch dick und dünn zu Ihnen hält? Was die Sterne zusammengeführt, das gehört zusammen. Unser Wille kann nichts daran ändern. Wenn wir uns unter den Menschen umsehen, so hat fast jeder solch eine gesetzliche Verbindung, kraft der er unlöslich eingeordnet ist. Bei dem einen ist es die Mutter, bei dem andern die Schwester, bei wieder einem ein Mädchen, bei den meisten die Frau. In unser Leben fährt dadurch eine große Beständigkeit. Es gehört nun irgendwohin. Es kommt in Ordnung. Man weiß, was man zu tun und was man zu lassen hat. So gut wird es uns aber nicht immer. Wir sind oft nicht in Ordnung. Wir sind uns nicht treu und den anderen nicht. Und die Volksordnung zeigt gerade dann ihren ganzen Ernst. Denn wenn wir zu schwach sind, uns in der Ordnung zu halten - und jeder von uns vergeht sich oft genug aus Schwäche -, dann stehen zwei Wege offen: Man kann heucheln und so tun als wäre man's nicht gewesen und als wäre man ohne Fehl und 66