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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 62

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 62)
Language
German
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kerkert und eingegittert, allein mit uns. Die Welt ist ein Gefängnis. Und für jeden ist sie sein Gefängnis dadurch, daß er nur sich kennt und sich in allen anderen verrechnet. Das Brot, das heut sicher zu sein scheint, geht morgen verloren. Heut hat man nichts, morgen scheint gut bezahlte Arbeit alle Not behoben zu haben: aber übermorgen? Die elendeste Unsicherheit schüttelt unser Leben. Viele von Ihnen kennen das Bergwerk und kennen die Kohlenschütte. Unablässig sondert sie die Kohle und das taube Gestein. Die Schlacke fällt und wird auf die Halde gestürzt. Kohle aber geht zu Kohle und tritt ihren Weg an in die nutzenbringenden Arbeitsstätten hinein. Eintönig waltet über uns das Schicksal so wie die Kohlenschütte über dem Gestein: Du arbeitslos, du eingestellt, du arbeitslos, du eingestellt, du Schlacke, du Kohle. Und der eine fährt seinen Weg hinein in die Gesellschaft, der andere wird auf die Halde gestürzt. Jeder ist gefangen auf der Schütte des Lebens, jeder mit sich allein. Elend, Einsamkeit und Unordnung herrschen auch draußen und gerade draußen, außerhalb des Gefängnisses. Unwirtschaftlich werden Menschen, werden Menschenkräfte brach liegengelassen; Ferne und Fremdheit trennen uns auseinander, so daß jeder allein ist mit sich wie ein Versteinerter; Unordnung scheint alles. Armut im Volk, Fremdheit im Volk und Unordnung im Volk sind der erste Eindruck, den wir empfangen; deshalb hat jeder von Ihnen diese Angst vor dem Austritt in diese Fremde, unordentliche, zufällige Welt. Uns alle aber treibt diese Angst, nur betäuben wir sie meistens. Aber wir sind alle besessen von dieser Angst und rennen, toben und laufen, auch wenn wir nicht gerade anecken. Deshalb antworte ich auf Ihre und unser aller Angstfrage beim Ausgang ins sogenannte Leben, wenn ich spreche von der Volkswirtschaft, die dem Mangel entgegentritt, von der Volksgenossenschaft und von der Volksordnung. Volkswirtschaft, Volksgenossenschaft und Volksordnung sollten sich zeigen an einem Volksfeiertage. Wo sind sie zu finden? Was bauen wir auf als Wälle gegen die Angst? 1. Volkswirtschaft Wenn der Einzelne ohne Brot ist, so ist das zuerst sein Unglück und sein Unglück allein. Er bettelt oder hungert sich durch und die Armen- 62

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