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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 57

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 57)
Language
German
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brechen, das Stürzen in die Tiefe, das Hervorbrechen des Menschen aus seiner Gebundenheit, die Wende, die Umkehr. Dies alles in einem, nicht als das logische Ende der vorangegangenen Entwicklung, sondern als Katastrophe. Dieses Ereignis zeichnet sich deutlich ab im Verhältnis des kranken zu seinem Arzte. Während seines Aufstieges war dieser ihm Lehrer und Führer. Das Zusammenarbeiten war ein reibungsloses. Die Person des Arztes war eindeutig, sein Gefühl für ihn ohne Widerspruch. Je weiter er fortschritt auf seinem Wege, je weiter er sich entfernte von der Wirklichkeit, desto inniger schloß er sich mit seinem Gefühl seinein Führer an. Er liebte ihn zärtlich und suchte in heimlichen Gedanken und Phantasien mit ihm zu verschmelzen (Übertragung). Dann und wann schon in der Vergangenheit drohte diese paradiesische Einheit zu zerreißen. Doch der Riß schloß sich gleich wieder, und die Ruhe war wieder hergestellt. Aber der Augenblick kam - und er mußte kommen - wo diese Einheit für immer zersprang. Ein trennender Keil ist zwischen die beiden niedergefahren und statt des Neben- und Miteinander ist mit einem Schlage ein Gegeneinander, ein unwiderrufliches Gegenüber geworden. Alle Versuche, den alten Zustand wiederherzustellen, schlagen fehl. Nun folgt eine Zeit der Verwirrung. Das Führerverhältnis ist tatsächlich zerrissen. Die Person des Arztes und sein Wort sinil nicht mehr eindeutig. Das Bild von ihm, mit dem er sich in einem träumenden Dasein ungestört hat befassen können, hat einen Riß und durch diesen hindurch nimmt er erschreckt, enttäuscht und verbittert die wirkliche Person des andern wahr. Dieser Person, diesem wirklich Anderen, mit dem er sich nun nicht mehr identifizieren kann, macht er zum Vorwurf, daß sie da ist. Er möchte sie wegschaffen. Sie ist schuld, daß er sein Zieh dem er doch so nahe war, nun verfehlt hat, daß seine Hoffnung auf jene Freiheit zunichte gegangen ist. Es ist verständlich, daß von nun an die Führerfunktion des Arztes versagt. Es gibt nun nicht mehr jenes gedachte Ziel der Freiheit, jene Höhe, zu der man gelangen möchte. Es gibt kein Nebeneinander mehr auf dem Wege. Und wenn nun auch nach wie vor noch F ragen an der» Arzt ergehen, als ob er immer noch der Führer wäre, so haben die Antworten keine Kraft mehr. Beide nehmen immer deutlicher wahr, daß Fragen und Antworten auf ein fiktives Ziel zulaufen, daß sie nicht auf — -T O i

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