Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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keine zeitlose, absolute, prinzipielle Gültigkeit beizumessen, sondern sie, soweit das überhaupt möglich ist, zeitlich zu differenzieren. Wenn dagegen Erinnerung und Gegenwart einander prinzipiell als sich ausschließende Totalitäten gegenübergestellt werden, so wird damit die Besonderheit der hier gegebenen Problemlage verfehlt. Die Problematik der Spaltung der Welten ist eine ganz andere als die reale zwischen dem Erkennenden und der Wirklichkeit. Der Ausgangspunkt der ganzen Untersuchung bei dem logischen Urteil vom satanischen Wesen des Selbst statt bei den realen Grenzüberschreitungen des in der Zeit lebenden denkenden Menschen hat zwangsläufig zur Folge, daß auch die Abwehr eine prinzipielle wird. Daher erhält das Buch seinen apodiktischen Charakter. Einwände gegen die Spaltung der Welten Wenn wir nun der kritischen Warnung folgen und uns davor hüten, unsere humanistische Welt als die ethische Wirklichkeit in Anspruch zu nehmen oder das ethische Problem wie bisher innerhalb des Kosmos der Wissenschaft zu suchen; wenn wir den Versuch aufgeben, „,alles was bi>- her die Größe des menschlichen Geistes ausmachte: die L rsprünglichkeit, die Autonomie, den guten Willen, den Unternehmungsgeist, die alles klärende Vernunftgabe" auch für die Gegenwart zu retten - was folgt daraus für die humanistische Welt? „Gewiß haben wir auch weiterhin mit der Gegenständlichkeit wissenschaftlicher Erkenntnis und ihren Tatsachen als scheinbaren Problemen zu tun. Aber wir haben gesehen, daß diese Arbeit nur einen kritischen und ordnenden Sinn haben kann. Die Welt des Humanismus gilt es rein zu erhalten und von der ethischen Wirklichkeit zu scheiden. Wir können nicht mehr gutgläubig und begeistert in jene Traumwelt zurückkehren, als sei sie die einzige Welt unseres Lebens. Wir sind nun einmal durch kritische Einsicht zur Vorsicht gemahnt worden. \\ ir haben den Glauben an die Ursprünglichkeit jener Welt und die bauende Kraft ihrer Grundsätze verloren. Wir sind aus dem Traum der Systeme erwacht. Unser Blick geht in ganz andere Richtung." Aber trotzdem bleibt die humanistische Welt, durch die Kritik von dem „Mehr", das ihr nicht zukommt, gereinigt, in ihrer Geschlossenheit bestehen, als Wahrheit, als Schönheit, ja auch mit ihren eigenen erten 17