Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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Herrschaftsansprüche stellt und ihre Grenzen überschreitet. „Wie ein Herrscher nach Verlust seines Thrones nur den einen Gedanken noch hegt, ob er wohl wieder zur Herrschaft kommen könnte, so erkundet die Erkenntnis alle Möglichkeiten, um der widerspruchsvollen Lage doch noch Herr zu werden." Von hier aus ist es auch zu verstehen, daß Grisebach, wo er von Erkenntnis spricht, den Inhalt der Erkenntnis ganz außer Betracht läßt und nur ihr Prinzip im Auge hat. Er kennt die Erkenntnis nur als System. Sein Erkenntnisbegriff ist nicht ein historisch-psychologischer, sondern ein prinzipieller. Da der monarchische Anspruch für ihn zum Wesen der Erkenntnis gehört, vermag er auch nicht zu unterscheiden zwischen dem Erkenntniswillen und dem prinzipiellen, systematischen Anspruch der Erkenntnis. Daher bleibt ihm auch zur Abwehr ihrer Grenzüberschreitungen keine andere Möglichkeit als ihre prinzipielle Ablehnung. Mit einer Erkenntnis, zu deren Wesen der prinzipielle Herrschaftsanspruch gehört, ist in der Tat keine Verständigung möglich und kein Frieden zu schließen. Dem absoluten Anspruch ist auch nur eine absolute Grenze entgegenzustellen. Allein w enn auch abgesetzte Herrscher immer wieder nach der Wiederherstellung ihres Thrones streben, gehört es darum zum Wesen des Herrschers, dies zu tun? Wenn auch das Ich immer wieder nach Selbstentfaltung strebt, gehört es darum zu seinem notwendigen Begriff, daß es böse ist? Wenn schließlich auch die Erkenntnis immer wieder ihre Grenzen überschreitet, wird es darum schon sinnlos, von einer sich bescheidenden Erkenntnis zu sprechen? Wenn dem aber nicht so ist, so wird offenbar mit den Wesensbegriffen auch die absolute Spaltung der Sphären hinfällig. Die Methode der Untersuchung ..Der Sinn unserer Rede'% sagt Grisebach, ..ist der, den Menschen durch kritisches Denken aus dem Traum der Erinnerung zu wecken, damit er vorbereitet w erde, an der Arbeit in der ethischen Wirklichkeit mannhaft teilzunehmen. Das allein ist der positive Sinn dieser Rede, die an sich nur formal-kritisch bleiben kann." Es kommt Grisebach darauf an, die Erkenntnis in ihrem dogmatischen, metaphysischen, monarchischen Wesen zu entlarven, ihre Unzulänglichkeit für eine Begründung der endlichen W irklichkeit oder überhaupt für eine Aussage über sie nachzuweisen, 44