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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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Die Satanie des Selbst Es ist nun zu fragen, wie Grisebach zu dieser völligen Spaltung der Sphären kommt, so daß es innerhalb der Erkenntniswelt unmöglich ist, auch nur hinweisend - erst die kritische Terminologie gestattet einen Hinweis - von der Wirklichkeit zu sprechen? Ist diese Spaltung notwendig? Warum genügt es ihm nicht, zur Warnung vor der Grenzübersehreitung beide Sphären zu unterscheiden? Die Spaltung ist begründet in seinem Bt - griff der Erkenntnis: es genügt nicht, vor der Erkenntnis zu warnen, insofern sie dogmatisch ist, da sie es ihrem Wesen nach ist. Und dieser Begriff der Erkenntnis, die für Grisebach eine Form der Selbstentfaltung ist, ist wiederum begründet in seinem Begriffe des Selbst. Da das Selbst in seinem Wesen grenzenlos ist, kann ihm nur die Grenze von außen entgegengesetzt werden. Das aber bedeutet die Spaltung der Welt de* Selbst, der humanistischen Welt, und der Wirklichkeit. Den Schlüssel des ganzen Werkes gibt das zehnte Kapitel: Satanie und Humanität. Der Gegenstand dieses Kapitels ist „nicht ein einzelne* System mehr, sondern der Kern aller Systeme und Wesensentfaltungen als die selbige menschliche, immer gleiche Natur4", über die menschliche Natur läßt sich schon allein auf Grund von Erfahrung, von Erinnerung des Selbst aussagen, daß sie böse ist. „Wir sind den uns brutal begegnenden Menschen dem Wesen nach durchaus identisch. Wir kennen uns ja selbst in unserer Egoität und Entfaltungstendenz als diejenigen, die den anderen verneinen, wenn wir auf Beherrschung des Gegenüber bedacht sind. Von diesem bekannten Ich sagen wir nun uns selbst beurteilend, daß es böse sei, daß es eine Vernichtung jedes arideren wolle, weil wir es selbst wollen. Ein weiterer Beweis ist gar nicht nötig als Erfahrung und Selbsterkenntnis.64 An und für sich, isoliert betrachtet, ist die menschliche Natur weder gut noch böse, aber böse ist sie „mit Bezug auf den anderen". Daß das Ich in seiner Wesensentfaltung den anderen vernichten will, ist die Definition des Bösen. Sein Ursprung liegt im Willen, in der Welt der Ichsucht. Dabei handelt es sich nicht um „ein ethisches Urteil, sondern ein logisches: es gehört zum Wesen des Ich, sich unbegrenzt zu entfalten". An die Stelle des realen Ich tritt also nun ein Ichprinzip. Was vom Ich gesagt ist, gilt ebenso von der Erkenntnis. Grisebach erklärt die Erkenntnis als unzulänglich für die \\ irklichkeit, weil es für ihn zu ihrem Wesen gehört, daß sie „monarchisch"" ist, daß sie unbegrenzte

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