Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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humanistische Welt an sich anzugreifen oder abzulehnen oder wegzustreichen, vielmehr bleibt sie ausdrücklich als eine Welt sui generis, als autonome Welt unbedingter Werte, an ihrem Orte bestehen. Es gilt nur, sie nicht zu verwechseln mit dem Geschehen in der Gegenwart. Grisebach will sie entlarven als eine Welt des Scheines, des schönen Scheines, nicht einmal des Scheines der Wirklichkeit. „Ein fein diszipliniertes, arbeitsreiches Leben läßt sich in dieser Welt der Humanität führen. Es bleibt mit dem edelsten Genüsse gepaart. Vornehm und erhaben mag solcher Dienst an der Humanität scheinen. Die Besten mögen ihrem Ausbau die persönliche Kraft und das Talent widmen, der Staat mag ihre Entwicklung im eigensten Interesse wohlmeinend fördern; aber alle Förderer der Humanität wandeln haarscharf an einem Abgrund her, der ihnen zum Verderben werden kann. Ihr Tun kann löblich, verdienstvoll und dankenswert sein, wenn ihr Streben der Grenzscheide sich bewußt bleibt. Die Humanität wird in dem Augenblicke zur Satanie, wo der Mensch sich anmaßt, diese seine Wesensentfaltung schon für Weltschöpfung zu halten." Der humanistischen Welt ist jede Beziehung zur Wirklichkeit genommen. Sie wird von Grisebach in ethischer Hinsicht nicht nur verworfen, insofern sie ihre Grenze überschreitet, sondern es liegt eine unüberschreitbare Schwelle zwischen ihr und der ethischen Wirklichkeit. Die kritische Aufgabe ist also noch nicht geleistet mit der Unterscheidung, sondern erst mit der realen Scheidung. Die bloß unterscheidende Abhebung der beiden Welten liegt für Grisebach noch innerhalb der selbstischen Welt: es muß aber alles, was auf derselben Ebene liegt und noch liegen kann, auch die Abhebung, auch die Kritik, auf der einen Seite bleiben und hinter sich gelassen werden, um den Ort der Wirklichkeit, die Grenze gegen das Transzendente, das nicht mehr bloß gedachtes, sondern wirkliches Geschehen ist, zu finden. Die Grenze ist also da, wo beide Sphären einander ausschließen, wo sie als Totalitäten voneinander geschieden sind. „Der einzelne bringt von sich aus keinerlei Gründe in seinem Wesen mit, die ihm eine ethische Existenz und Teilnahme an wirklicher Gemeinschaft verbürgten. Das Problem seiner Existenz wird erst da gestellt, wo er mit allen Erkenntnisbestrebungen zum Scheitern gebracht wird. Damit ist die Passivität bezeichnet." 42