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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 41

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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wichtigen Kapitel „Satanie und Humanität" und schließt mit einer Zeitlehre, die sich insbesondere mit Heidegger auseinandersetzt. Wir beschränken uns im folgenden auf das zentrale Problem des Buches, nämlich die Möglichkeit der vollkommenen Scheidung der beiden Sphären. Es handelt sich dabei nicht bloß um Denken und Sein, sondern es werden einander gegenübergestellt auf der einen Seite die Welt der Selbigkeit, die auf den Prinzipien des Selbst aufgebaut ist, und in der der Mensch nur sich selber begegnet, die nur eine Welt der Erinnerung, ja der Einbildung, des Scheines, des Traumes ist, die ganze humanistische Welt der menschlichen Autonomie und Aktivität, der Innerlichkeit, der Aufklärung, der Vernunft und des Gewissens, der Moral und Kultur, der unbegrenzten menschlichen Entfaltung, und auf der anderen Seite die Welt des Außen, die endliche Welt der ethischen Wirklichkeit, der Erfahrung, des Zufalls, der Gegenwart, der gegenüber der Mensch nur noch passiv ist, daher sie auch als „Leidenschaft" bezeichnet wird, weil dem Menschen hier die Grenze seiner Entfaltungstendenz als Leid w iderfährt. „Die Gegenwart ist als Problem etwas völlig anderes als alle Bildungsprobleme und Problemstellungen in der humanistischen Welt. Ihre Grundform ist Leidenschaft, weil jeder Zufall Leiden schafft. Hier ist alles in der Besonderheit; keine Erinnerung und Wiederholung ist möglich. Weil Leid nur erfahren wird, beruht alles auf Erfahrung. Der Zufall begrenzt, wo das Selbst nicht mehr maßgebend ist. Verantwortung wird auf einem neuen Boden gefordert. Gegenwart ist das neue Problem in der wirklichen Zeit als endliche Sphäre der Erfahrung im Gegensatz zu allen künstlichen Fragen innerhalb der Erinnerung. Bindungen erfolgen unerwartet, wirkliches Geschehen überrascht. Hier kann von keiner Allgemeinheit oder Individualität mehr gesprochen werden, keinerlei Erinnerung hat hier etwas zu berichten". Es handelt -ich also nicht um einen teilhaften Gegensatz, der noch in eine höhere Einheit eingeschlossen ist oder in einer höheren Einheit aufgehen kann, da seine beiden Teile noch auf derselben Ebene liegen, sondern um einen univer- © 7 salen, endgültigen Gegensatz, um eine Aufspaltung der menschlichen Welt in zwei beziehungslose und einander ausschließende Welten, Wissen und Glauben, Philosophie und Theologie, Vernunft und Gnade, Ordnung und Zufall, Mensch und Gott. Es ist dabei zu beachten, daß Grisebach nicht darauf ausgeht, die 41

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