Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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Grisebach bekämpft diese Systeme nicht, um ihnen auf ihrem Boden ein neues System gegenüberzustellen, denn damit würde die Trennung von Denken und Sein keine vollkommene sein. „Das ethische Problem liegt nicht mehr im Bereich der selbstischen Systeme, sondern es ergibt sich ein neues ethisches Problem als Konfliktsfall am äußersten Rande des Systems/'' Diesen Rand sucht er zu gewinnen, richtiger gesagt: an diesen Rand sucht er seinen Leser hinzuführen, wo „auf dem Felde der Erfahrung das Problem des Handelns in Wirklichkeit auftaucht, das weder eine Begründung noch eine Lösung durch die Erkenntnis erfahren kann". Er stellt das Selbst und die ganze auf den Prinzipien und Fragen des Selbst beruhende Philosophie und Erkenntnis in Frage, indem er nach der Zuständigkeit der selbstischen Welt frägt für ein Problem, das nicht mehr vom Selbst, sondern an das Selbst gestellt ist, das nicht wieder eine neue spekulative Problemstellunge sondern eine jenseits aller Spekulation hegende Problem/age ist. Er lehnt die Problemstellungen, die keine wirklichen Fragen sind, da die Antwort für sie immer schon bereit ist, als fiktive Fragen, als Gefahr der Selbsttäuschung ab und sieht „die schwerste Aufgabe der Erkenntnis gerade darin, das wirklich Störende und Unbequeme, das in jeder menschlichen Lage sich vorfindet, ernsthaft ins Auge zu fassen und zu klären". Sein Anliegen ist, „auf die Möglichkeit einer wirklichen Krisis hinzuweisen". Philosophie ist ihm kein Mittel zur Beruhigung, sondern zur Beunruhigung, und er weicht auch dem Schlimmsten nicht aus, „was der Erkenntnis und Wissenschaft überhaupt jemals geschehen könnte, daß sie durch Berücksichtigung einer wirklichen Problemlage ihre durch die Aufklärung anscheinend gesicherte Vormachtstellung verlöre". Das ethische Problem ist keines der Theorie, sondern ein Problem der Wirklichkeit. Die Spaltung der Sphären Es ist nicht möglich, im Rahmen eines Zeitschriftaufsatzes den ganzen Inhalt des 600 Seiten starken, vollgeladenen Buches mit allen Einzelheiten auszubreiten. Im ersten Teil, der die Überschrift „Das Problem der Gegenwart" trägt, entwickelt Grisebach allgemein das Problem und die Methode seines Buches; der zweite Teil behandelt „Konfliktsstoffe der Gegenwart": Schule, Staat, Kultur, Erziehung. Der dritte Teil heißt „die Leidenschaft der Gegenwärtigen"; er beginnt mit dem für das Ganze 40